Banken "Großbank wäre Deutschtümelei"

Die Bankenbranche träumt von Fusionen - und Hans Dietmar Sauer, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg, liest den Kollegen die Leviten. Ihre Fantasien zeugten von "hinterwäldlerischem Egoismus".

Frankfurt - Die Idee einer Fusion aller vier deutschen Großbanken ist nach Ansicht des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) ein Zeichen von "hinterwäldlerischem Egoismus". In die Diskussion mische sich auch "eine gewisse Deutschtümelei", sagte Hans Dietmar Sauer, VÖB-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg.

In Zeiten europäischer Dimensionen mache eine solche Lösung wirtschaftlich keinen Sinn. Er habe auch den Eindruck, dass die mehrfach aufgekommene Idee in der Branche "niemand so ganz ernst genommen" habe.

Sauer forderte die Privatbanken auf, ihre Kritik an der Existenz öffentlicher Banken einzustellen. Diese "Gespensterdebatte ohne Sieger" solle möglichst rasch beendet werden. Die mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft brauche starke regional und lokal aufgestellte öffentliche Banken, damit die Versorgung mit Krediten sichergestellt sei.

Gleiche Lebensbedingungen in Ballungsräumen und ländlichen Gebieten seien eine Aufgabe der Politik; es sei daher legitim, dass sich Kommunen und Länder als Eigentümer von Banken engagierten.

Da die Staatsgarantien für Landesbanken und Sparkassen ab Mitte 2005 wegfallen, gebe es bald auch keinen Konkurrenzvorteil für diese Säule der Bankenlandschaft mehr, betonte Sauer. Ohnehin würde der Staat aus öffentlichem Interesse auch die Pleite einer der privaten Großbanken verhindern, sollte es zu einem solchen Extremfall kommen. Von einer Wettbewerbsverzerrung könne daher keine Rede sein.

Mit Blick auf die Nachfolge des zurückgetretenen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke sagte Sauer, sein Verband sei nicht daran interessiert, dass das Amt "im Übermaße politisiert" werde. Andererseits dürfte ein Kandidat aus dem politischen Bereich auch nicht von vornherein als ungeeignet abgestempelt werden. In Frage kämen Bewerber, die "den Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft glaubwürdig vollziehen" könnten. Dem VÖB gehören Landesbanken und weitere öffentliche Banken an.