Infineon 700 Stellen zum Spar-Tarif

Ein Gutteil der Belegschaft des Chip-Konzerns in Dresden wird künftig wohl nur noch halb so viel Gehalt bekommen wie bisher. Das berichtet jedenfalls die IG Metall – und erläutert, wie das Unternehmen das Spar-Potenzial ausreizen will.

München/Dresden - Nach Angaben der IG Metall will Infineon  im Werk Dresden bis 2007 rund 700 auslaufende, befristete Arbeitsverträge in Leiharbeitsplätze umwandeln. Die Beschäftigten würden dann für die gleiche Arbeit lediglich rund die Hälfte des vorherigen Gehalts bekommen, teilte die IG Metall am Montag mit.

"Ein Infineon-Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass es Überlegungen in dieser Richtung gebe, um flexibler auf Konjunkturschwankungen reagieren zu können. Er wollte jedoch weder die von der IG Metall genannte Stellenzahl noch die finanziellen Details bestätigen.

Die Gespräche mit dem Betriebsrat befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium; es seien noch keine Entscheidungen gefallen, sagte der Infineon-Sprecher zur Begründung. Laut IG Metall wird auf Seiten von Infineon darüber nachgedacht, die Lohndifferenz nach der Umwandlung in Leiharbeitsplätze durch Prämienzahlungen zu mildern. Details dazu seien jedoch noch nicht bekannt.

Puffer oder Abwälzen von Risiken?

"Die Firma will mehr von ihrem Risiko auf die Mitarbeiter und die Leiharbeitsfirmen abwälzen", betonte die stellvertretende Betriebsratvorsitzende des Chipwerkes in Dresden, Kerstin Schulzendorf. Infineon begründet die Umwandlungspläne nach ihrer Darstellung auch mit der Sicherung von Arbeitsplätzen. "Es soll ein Puffer geschaffen werden, um die Stammbelegschaft zu schützen. Wenn von 5400 Mitarbeitern 700 Leiharbeiter sind, kann die Firma flexibel auf eine schlechte Auftragslage reagieren." Der Betriebsrat halte diese Argumente jedoch "für überzogen und fordert Verhandlungen", hieß es weiter.

An Kostensenkungen kommt zumindest in Europa in der Branche momentan offenbar kein größerer Konzern vorbei. Der Elektronik-Konzern Epcos , wie Infineon ein Spin-Off von Siemens , hatte in der vergangenen Woche angekündigt, in den kommenden Jahren verstärkt Arbeitsplätze in Niedriglohnländern bereitzustellen. Epcos-Chef Gerhard Pegam sagte dazu, dass auch die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche oder Lohnverzicht in Deutschland diesen Trend nicht stoppen könnten, solange für eine vergleichbare Arbeitskraft in China lediglich fünf Prozent der Arbeitskosten anfallen wie für einen Mitarbeiter in Deutschland. 295103