Chronologie einer Affäre Am Anfang stand das Adlon

Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat am Freitag die Konsequenzen aus den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der so genannten Adlon-Affäre gezogen und ist zurückgetreten. Die Chronologie eines Skandals.

Sylvester 2001:

Welteke nimmt an einer Festveranstaltung der Dresdner Bank zur Einführung des Euro in Berlin teil.

3. April 2004: Ein Bericht des SPIEGEL bringt die Affäre ins Rollen. So soll Welteke anlässlich der Gala mit seiner Frau und weiteren Familienmitgliedern im Berliner Luxushotel Adlon residiert haben. Die Kosten von rund 7660 Euro für den viertägigen Aufenthalt habe die Dresdner Bank übernommen. Welteke bestätigt die Einladung. Wenn er schon an Sylvester nach Berlin fahre, "dehne ich das doch ein bisschen aus", zitiert das Magazin den Notenbankchef.

5. April: Nach zum Teil heftiger Kritik nimmt Welteke Stellung zu den Vorwürfen. Der Aufenthalt im Adlon-Hotel habe in der Öffentlichkeit "zu Kritik und Missverständnissen geführt", teilt der Bundesbankpräsident mit. Er kündigt an, dass die Bundesbank die Kosten für zwei der beanstandeten Übernachtungen übernehme. Den Restbetrag zahle er aus eigener Tasche.

6. April: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Welteke wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme ein. Welteke selbst räumt Fehler ein, sieht aber weiterhin keinen Grund für einen Rücktritt. Er werde zunächst die Ergebnisse der Überprüfungen durch den Vorstand der Bundesbank sowie die staatsanwaltlichen Ermittlungen abwarten, sagt er der ARD.

7. April: Welteke lässt sein Amt auf Bitten des Bundesbankvorstands ruhen. Das Leitungsgremium hatte knapp acht Stunden lang über die Affäre beraten und befunden, dass es für eine Abberufung "keinen hinreichenden Grund" gebe. Bundesbankvize Jürgen Stark übernimmt Weltekes Amt kommissarisch. Die Bundesregierung kritisiert die Entscheidung des Bundesbankvorstandes umgehend. Der Beschluss trage dem Ziel, das hohe Ansehen der Bundesbank in der öffentlichen Meinung zu bewahren, nicht angemessen Rechnung, teilt das Finanzministerium mit.

8. April: Die Affäre belastet zunehmend das Verhältnis von Bundesbank und Bundesregierung. Die regelmäßig geäußerten Kommentare und Erwartungen aus Berlin könne man "als Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit der Bundesbank werten", kritisiert Stark im ZDF.

10. April: Die Rolle der Bundesregierung in der Affäre rückt ins Visier der Opposition. Vertreter der Union werfen der Regierung und insbesondere Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) vor, Weltekes Ablösung wegen Meinungsverschiedenheiten über den Verkauf der Goldreserven der Bundesbank zu betreiben. Das Finanzministerium nennt die Vorwürfe "abwegig".

14. April: Medienberichten zufolge wurden die anonymen Briefe mit den Anschuldigungen gegen Welteke in einem Postamt in der Nähe des Bundesfinanzministeriums aufgegeben. Damit erhalten die Spekulationen über eine Verstrickung des Ministeriums in die Affäre neuen Auftrieb.

15. April: Welteke legt sein Amt nieder.