Automarkt Monstertrucks in der Benzinkrise

Weil Sprit in den USA billig ist, lieben die Amerikaner ihre schweren Geländekarossen. Doch die Zuneigung droht zu erkalten. Grund: Der steigende Benzinpreis drückt auf den Geldbeutel und mindert den Fahrspaß.

Hamburg/New York - "Sag' mir, was du fährst, und ich sag' dir, woher du kommst" - zumindest in Bezug auf die so genannten Sport Utility Vehicles (SUV) geht diese Logik auf. Wohl kaum ein Fahrzeug symbolisiert die amerikanische Automobilkultur besser als die PS-starken, geländegängigen Spritfresser.

In den USA avancierten die "persönlichen Kampfpanzer" ("Taz") in den vergangenen Jahren zum Verkaufsschlager. 2003 wurden erneut mehr leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt als Personenwagen. Deren Marktanteil stieg von 52 Prozent auf nunmehr 54,3 Prozent. Vor 20 Jahren hatte das Segment nur ein Fünftel des Gesamtabsatzes ausgemacht.

Indes droht der Erfolgsstory ein jähes Ende. Der steigende Benzinpreis in den USA könnte sich auf die SUV-Verkäufe auswirken, gelten die Fahrzeuge doch auf Grund ihrer enormen Größe und Motorisierung als Benzinvernichter. Der 300 PS starke Bestseller Ford F-150 etwa verbraucht 18,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Der Lincoln Navigator kommt auf 17,5 Liter. Und der Hummer H2, ein Ableger des bekannten Militärfahrzeugs, schluckt satte 22,3 Liter.

Spritpreis auf Rekordhoch

Dem überbordenden Energiebedarf der Monstertrucks steht nunmehr ein stetiger Anstieg des Benzinpreises gegenüber. Im März klettert der Benzinpreis in Amerika auf ein Rekordhoch von 1,77 Dollar pro Gallone (3,8 Liter). Erst am Mittwoch stieg der Ölpreis erneut, nachdem die US-Regierung bekannt gab, dass die Lagerbestände in der Woche zum 2. April um 2,1 Millionen Barrel auf 292,2 Millionen gesunken waren. Marktbeobachter fürchten, dass dies nur Vorboten von noch dramatischeren Preisanstiegen in den kommenden Monaten sind.

Ford F-150: In 2003 der Bestseller in den USA (Verbrauch: 18,5 Liter)

Ford F-150: In 2003 der Bestseller in den USA (Verbrauch: 18,5 Liter)

Foto: Ford
Lincoln Navigator: 300 PS unter dem mächtigen Kühlergrill (Verbrauch: 17,5 Liter)

Lincoln Navigator: 300 PS unter dem mächtigen Kühlergrill (Verbrauch: 17,5 Liter)

Foto: FORD
Chevrolet Avalanche: Mischung aus Geländewagen und Luxusschlitten (Verbrauch: 15,9 Liter)

Chevrolet Avalanche: Mischung aus Geländewagen und Luxusschlitten (Verbrauch: 15,9 Liter)

Foto: CHEVROLET
Hummer H2: Militärvehikel in zivil (Verbrauch: 22,3 Liter)

Hummer H2: Militärvehikel in zivil (Verbrauch: 22,3 Liter)




Parade der Benzinvernichter:
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SUV-Hersteller sehen die Entwicklung mit Sorge. "Angesichts der Entwicklung könnte sich die Preissensibilität der US-Kunden ändern", warnte ein Sprecher von BMW gegenüber manager-magazin.de. "Wenn die Autofahrer die Preistafel an der Tankstelle sehen, hat das Einfluss auf das Kaufverhalten", sagte auch Brian Ambrose, bei der Beratungsgesellschaft KPMG zuständig für den US-Automarkt, gegenüber dem Online-Dienst CNN Money.

Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts CNW Marketing Research würden 5 Prozent der SUV-Besitzer bei einem Gallonenpreis von 2,75 Dollar sofort das Fahrzeug wechseln. 17 Prozent würden über einen Wechsel nachdenken. Damit ist offenbar zu rechnen. So erwartet die American Automobile Association noch in diesem Jahr einen Benzinpreis von drei Dollar.

Horrorszenario für die "Big Three"

Horrorszenario für die "Big Three"

Vor allem die amerikanischen Autobauer Ford , General Motors  und Chrysler wären von einem Absatzeinbruch betroffen, zumal eine erhöhte Preissensibilität die europäische und japanische Konkurrenz stärken könnte.

BMW , Porsche  und Volkswagen  sind mit dem X5, dem Cayenne und dem Touareg bereits in den USA auf dem Markt. Während der Detroit Motor Show kündigten Toyota , Nissan , Mitsubishi  und Honda  an, die US-Konzerne in ihrem Stammland mit SUVs made in Japan zu attackieren.

Ein Horrorszenario für die "Big Three", zumal die Wettbewerber beim Spritverbrauch unter den US-Modellen liegen. Das Sechs-Zylinder-Aggregat (250 PS), mit dem der VW Touareg und der Porsche Cayenne ausgestattet sind, schluckt nach Werksangaben rund 13 Liter.

Diesel oder Hybrid als Alternative

Bei Praxistests lag der Spritbedarf zwar höher, konnte allerdings immer noch mühelos mit den US-Fahrzeugen konkurrieren. Auch der X5 von BMW lag nach Testberichten mit knapp 16 Litern immer noch unter den Amerikanern.

Auch hinsichtlich der in den USA geführten Diesel-Debatte könnte sich der Benzinpreis zu Ungunsten von Ford und Co. auswirken. Wächst die Nachfrage der Verbraucher nach günstigeren SUVs wären die US-Autobauer gezwungen, über die Einführung von Dieselmotoren nachzudenken. Das wäre ein weiterer Punkt für die ausländische Konkurrenz, die in Sachen Diesel von ihrem Erfahrungsvorsprung profitieren könnte.

Ein dritter Weg bietet sich mit so genannten Hybridantrieben, die Benzin- und Elektromotoren kombinieren. Ford will angesichts der Benzinpreisexplosion verstärkt auf Hybrid-Modelle setzen.

Am Mittwoch stellte Konzernchef Bill Ford auf der New Yorker Automobilausstellung den kleinen Geländewagen Ford Escape mit Hybrid-Antrieb vor. Ford kündigte an, dass der Konzern bis zum Modelljahr 2007 insgesamt zwei Hybrid-Geländewagen und einen Mittelklasse-Pkw mit Hybrid-Option anbieten wolle.

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