Otto Sprung im Spiegel

Im Streit um den angeschlagenen US-Handelskonzern Spiegel zieht Mehrheitseigner Otto die Notbremse. Nachdem eine Einigung mit den Gläubigerbanken zuletzt scheiterte, soll das Unternehmen nun zerschlagen und in Teilen veräußert werden.

New York/Hamburg - Der Spiegel-Verwaltungsrat, in dem auch der Hamburger Versandhaus-Milliardär Michael Otto sitzt, hat entschieden, Unternehmensteile zu verkaufen. Der kleinere Kataloghändler Newport News soll für 25 Millionen Dollar an die asiatische Investorengruppe Pangea verkauft werden, teilte das Unternehmen mit.

Spannender dürfte sich die Veräußerung der Bekleidungs- und Möbelkette Eddie Bauer entwickeln, die als Perle im Spiegel-Portfolio gilt. Sie soll über eine Auktion veräußert werden. In den vergangenen Jahren hat Spiegel die Tochter saniert: Unrentable Filialen wurden geschlossen, Personal entlassen. Zuletzt verbuchte Eddie Bauer in den rund 400 Geschäften einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar.

An Interessenten mangelt es offenbar nicht. Branchenkenner rechnen mit einem Verkaufserlös von rund 800 Millionen Dollar. Finanzkreise nennen US-Kaufhausketten wie Sears, Limited Brands, Talbots sowie Beteiligungsfonds als potenzielle Aufkäufer.

Erfolglose Verhandlungen

Die Otto-Familie und das Spiegel-Management verhandeln seit Wochen mit amerikanischen und europäischen Banken über die Rettung des Handelskonzerns. Michael Otto kontrolliert 89 Prozent des US-Unternehmens.

Spiegel war über das Geschäft mit firmeneigenen Kreditkarten gestolpert. Ohne genaue Prüfung der Bonität konnten die Karteninhaber damit in den Eddie-Bauer-Läden einkaufen und aus den Spiegel-Katalogen bestellen. Die Aktion war ein voller Erfolg. Allerdings konnten bald mehr als 20 Prozent der Kunden ihre Raten nicht mehr bezahlen. Mit Schulden von 1,6 Milliarden Euro musste Spiegel schließlich Gläubigerschutz beantragen.

Die Kreditgeber fühlten sich nicht ausreichend über die Situation des Unternehmens informiert und drohten deswegen mit einer Klage gegen das Spiegel-Management. Finanzkreise bezifferten das Schadensrisiko gegenüber manager-magazin.de auf rund 100 Millionen Euro. Anfang April hatte Otto den Banken zwei Angebote unterbreitet, um den Streit zu beenden. Zum einen bot er eine Barabfindung in Höhe von 67 Prozent der Kreditsumme, falls die Geldhäuser auf ihre restlichen Forderungen verzichten. Außerdem legte er einen Plan vor, der neben einer Barquote auch Aktienanteile für die Gläubiger und eine langfristige Refinanzierung vorsah.

Umsatzrückgang im vergangenen Jahr

US-Banken drängen auf hohe Barablösung

Jedoch lehnte der Gläubigerausschuss die Offerte ab. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, war die Mehrheit der Banken zwar bereit, ein Angebot anzunehmen. Die amerikanischen Institute - allen voran JP Morgan Chase  - hätten jedoch auf eine möglichst hohe Barablösung gedrängt.

Zu den fünf Banken im Ausschuss gehören neben JP Morgan die Bank of America  sowie die deutschen Institute Dresdner Bank, DZ Bank und Westdeutsche Landesbank. Seine Friedensangebote wird Otto indes auch weiter aufrechterhalten.

Wie manager-magazin.de aus Kreisen der Hamburger Kaufmannsfamilie erfuhr, bedauere man, dass es für Spiegel offenbar keine Gesamtlösung gäbe. Dennoch bleiben die Verantwortlichen gelassen: "Sollte es zu einer Zerschlagung kommen, wären die Folgen überschaubar, zumal Spiegel kein strategisches Investment ist."

Umsatzrückgang im vergangenen Jahr

Der Umsatz des Otto-Konzerns ging unterdessen nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr (endete am 29.2.) um 4,6 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro (ohne Mehrwertsteuer) zurück, wie Otto am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Kursbereinigt sank der Umsatz um 2,3 Prozent. Wegen einer Umstellung der Rechnungsweise ist die Bilanz mit dem Vorjahr aber nicht zu vergleichen. In der Stammgesellschaft Otto, die ein gutes Fünftel zum Umsatz beisteuert, betrug der Rückgang 5,5 Prozent.

Positiv entwickelt habe sich mit einem Wachstum von 24 Prozent auf zwei Milliarden Euro der Internet-Handel, heißt es in der Mitteilung. Otto sei damit nach Amazon  der zweitgrößte Internet-Händler der Welt. Die zukunftsträchtige und mittlerweile hochrentable Geschäftssparte E-Commerce habe bereits einen Anteil von 10 Prozent am Gesamtgeschäft und soll in den kommenden fünf Jahren 20 Prozent erreichen.

"Die hohen Wachstumsraten im E-Business konnten die Umsatzeinbußen im klassischen Katalog-Geschäft jedoch nicht ausgleichen", heißt es in der Mitteilung. Da sich Otto auf rentable Umsätze konzentriert habe, liege das Ergebnis nur leicht unter dem Vorjahr. Damit habe sich die Gruppe von der Branche abgekoppelt. "Umsatz zu Lasten des Ergebnisses soll und wird es bei Otto auch in Zukunft nicht geben." Für die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr sei Otto zuversichtlich.