BMW Darf der Kleine in die Staaten?

Geschickt inszeniert BMW den Countdown zum Start seines neuen Modells: Auch wenn der Konzern mit der 1er-Reihe erst ab Herbst Golf und Astra angreifen wird, beginnt schon jetzt die Werbekampagne. Derweil ist unklar, ob der Fünftürer auch über US-Highways fahren wird.

München - BMW  will den Start seines neuen 1er in den USA möglicherweise verschieben. Ursprünglich hatte der Konzern den neuen Kompaktwagen 18 bis 24 Monate nach der Markteinführung in Europa auch in den USA verkaufen wollen. Die Modellreihe soll hier zu Lande im Herbst starten.

Der Chef von BMW Nordamerika, Tom Purves, sagte nun dem "Handelsblatt", es sei wegen neuer Rahmenbedingungen möglich, dass der US-Start auch auf 2007 verschoben werden könnte. Marktbeobachter begründen den Verzug mit den derzeit ungünstigen Wechselkursen und der daraus resultierenden geringen Gewinnspanne für BMW. Zudem passe der mit einem Vierzylinder ausgestattete Wagen nicht so recht zum Image von BMW in den USA.

Konzern-Entwicklungschef Burkhard Göschel habe die Entscheidung über eine spätere Markteinführung des 1er an BMW Nordamerika delegiert, sagte Purves. Wann eine endgültige Entscheidung fallen soll, sagte der BMW-Manager nicht.

Im Internet ist die Werbekampagne für das neue Auto derweil bereits angelaufen. Das Motto der Online-Präsenz kürzt den Markenslogan "Aus Freude am Fahren" schlicht zum "Prinzip Freude". Die beiden für den Start vorgesehenen Benziner-Modelle 116i und 120i sind mit Vierzylinder-Aggregaten ausgestattet, die 115 und 150 PS (85 und 110 kW) leisten und den Wagen 200 oder 217 km/h schnell machen.

Die zwei Dieselmodelle 118d und 120d sind mit Vierzylinder-Selbstzündern bestückt, die 122 und 163 PS (90 und 120 kW) leisten und Höchstgeschwindigkeiten von 201 und 220 km/h ermöglichen.

Motor vorne, Antrieb hinten

Motor vorne, Antrieb hinten

Das BMW-typische Konstruktionsprinzip "Motor vorne, Antrieb hinten" soll den Wagen in puncto Fahrdynamik den Konkurrenten enteilen lassen. Es kostet aber auch Platz im Heck, was sich vor allem bei Kofferraumvolumen bemerkbar macht.

Erfreulich klar und übersichtlich wirkt auf den ersten Bildern die Armaturentafel des 1er BMW. So aufgeräumt wie dieses Auto sah schon jahrelang kein neues Modell der Münchener mehr aus.

Zur Ausstattung des Autos sind bislang nur wenige Details bekannt. ESP, elektronische Differenzialsperre und sechs Airbags werden Standard sein, viele Extras wie Einparkhilfe, Bi-Xenonlicht oder Sportsitze können gegen Aufpreis geordert werden.

Vorstellung auf dem Pariser Salon

Die Preise für das neue Modell stehen noch nicht fest; knapp 20.000 Euro für die Basisvariante gelten jedoch als realistische Schätzung. Bis der neue 1er im Rampenlicht des Pariser Autosalons (25. September bis 10. Oktober) und gleichzeitig bei den Händlern in Deutschland auftaucht, werden potenzielle Kunden auf der Webseite informiert und mit Gewinnspielen bei Laune gehalten.

Marktforscher erkennen im Premiumsegment der Kompaktklasse weltweit großes Potenzial. "Mit dem neuen 1er werden wir eine Zielgruppe ansprechen, die im Schnitt jünger sein wird als der Durchschnitt der heutigen BMW-Kunden", erklärt BMW-Marketing-Sprecher Markus Sagemann. Vor allem wird sich das Gros der Kundschaft aus Menschen rekrutieren, die bislang Fahrzeuge anderer Marken gekauft haben. Für Golf und Konsorten wird die Konkurrenz in Zukunft noch härter.