HypoVereinsbank Von Fusionen und Risiken

Manchmal lohnt es sich, den Börsenprospekt einer Kapitalerhöhung ganz genau zu lesen. Die HypoVereinsbank hat in die mehrere hundert Seiten starke Verkaufsbroschüre nämlich auch Interessantes geschrieben.

München - Die HypoVereinsbank (HVB)  lotet derzeit in Gesprächen mit Konkurrenten die Möglichkeiten von Fusionen und Übernahmen aus. "Die HypoVereinsbank beobachtet den Markt, bewertet potenziell sich ergebende Möglichkeiten und führt Gespräche mit anderen Teilnehmern der Finanzdienstleistungsbranche", bestätigte die Bank im Verkaufsprospekt zur derzeit laufenden Kapitalerhöhung. Bisher hätten die Gespräche kein entscheidendes Stadium erreicht. Es sei daher offen, ob sich die HVB an der Konsolidierung beteiligt.

Komme es zu anderen Übernahmen und Zusammenschlüssen, könne dies für die HVB eine erhebliche Verschärfung des Wettbewerbs bedeuten, hieß es. Dies könne insbesondere dann eine Gefahr sein, "wenn durch eine derartige Transaktion Wettbewerber mit größeren Marktanteilen und finanziellen und sonstigen Mitteln entstehen, als sie die HVB Group derzeit hat".

In dem Verkaufsprozess schloss die HypoVereinsbank zudem einen Anstieg der ohnehin schon hohen Risikovorsorge für problematische Kredite nicht aus. "Sollten große Insolvenzen oder andere unerwartete Ereignisse eintreten, für welche keine ausreichenden Wertberichtigungen gebildet wurden, übersteigt die Kreditrisikovorsorge in den kommenden Jahren möglicherweise die des Jahres 2003." Im vergangenen Jahr musste die zweitgrößte deutsche Bank rund 2,3 Milliarden Euro zurücklegen.

60 Millionen Euro für die Konsortialbanken

Theoretisch denkbaren Korrekturbedarf sieht die HypoVereinsbank insbesondere, weil sie einer der größten Darlehensgeber für mittelständische Unternehmen ist und immer noch viele gewerbliche Immobilienfinanzierungen im Portfolio hat. Stark mit Krediten engagiert ist die Bank zudem unter anderem in der Energiebranche und bei Kabelnetzwerken. Daher könnten unerwartete Branchenkrisen hier die Bank besonders treffen. Bisher plant die HVB für 2004 mit einer Risikovorsorge von 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro.

In dem Verkaufsprospekt für die neuen Aktien musste die HypoVereinsbank alle denkbaren Risiken aufführen. Somit handelt es sich um "Worst-Case-Szenarien". Bei der Kapitalerhöhung beschafft sich die HVB rund drei Milliarden Euro frisches Geld. Die Konsortialbanken bekommen für die Abwicklung der Transaktion laut Verkaufsprospekt etwa 60 Millionen Euro.