Stadionaffäre Ein Freund, ein guter Freund ...

Alpine-Chef Dietmar Aluta-Oltyan hat 1,4 Millionen Euro Provision für den lukrativen Auftrag zum Bau der Allianz-Arena gezahlt. Begünstigter war ein Vertrauter von Karl-Heinz Wildmoser junior.

Salzburg/Hamburg - "Zutiefst schockiert" zeigte sich Dietmar Aluta-Oltyan am Mittwoch der vergangenen Woche. Da wurde bekannt, dass der von ihm geleitete österreichische Alpine-Konzern bei der Vergabe des Bauauftrags für die Münchener Allianz-Fußballarena mit Schmiergeld nachgeholfen haben soll.

Familie Wildmoser soll, so hieß es, für ihr hilfreiches Engagement laut Staatsanwaltschaft mit 2,8 Millionen Euro bedacht worden sein - ein Prozent des Auftragsvolumens von rund 280 Millionen Euro. So viel lassen sich die Fußballklubs Bayern München und der ehemals von Karl-Heinz Wildmoser und dessen Sohn geführte TSV 1860 München die neue Spielstätte kosten.

Weder seien Provisionen an den Bauherrn noch an dessen Organe bezahlt und auch nicht in den Preis eingerechnet worden, beteuerte der zerknirschte Aluta-Oltyan. Doch so schockierend kann das Ganze nicht gewesen sein. Acht Tage später hat der Alpine-Chef eine neue Geschichte zu erzählen.

0,5 Prozent der Auftragssumme als Provision

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag beichtete er, dass Alpine für den Auftrag zum Bau 1,4 Millionen Euro gezahlt habe. Sein Unternehmen habe 0,5 Prozent der Auftragssumme in Höhe von 280 Millionen Euro bezahlt, erklärte Aluta-Oltyan vor Journalisten in Salzburg.

Das Geld habe der mittlerweile wegen Korruptionsverdacht inhaftierte Stefan Dung erhalten. Dung hatte mit Karl-Heinz Wildmoser junior die Schulbank gedrückt. Beide hatte sich - ohne nennenswerten Erfolg - in Ostdeutschland als Immobilienunternehmer versucht. Dungs Firma Stadtprojekt GmbH gehört nach Informationen des Magazins SPIEGEL nunmehr zum Wildmoserschen Firmengeflecht.

Das Geld lief nach Erkenntnissen der Ermittler über Dungs Firma Consulting Network. Von dort sei es in Tranchen an die Dresdner Immobilienfirma Weißer Hirsch geflossen, die den Wildmosers gehört. Neben Dung sitzt deswegen auch Wildmoser junior in Untersuchungshaft. Wildmoser senior wurde unterdessen auf Kaution entlassen.

Wertvolle Hinweise für Projekte oder mögliche Partner bekomme man "nicht zum Nulltarif", begründet Aluta-Oltyan die Provisionspraxis. Eine Prämie dafür sei "weder unredlich, noch unüblich". Dass sein Ex-Geschäftspartner Dung inzwischen wegen der Bestechungsaffäre im Gefängnis von Landsberg am Lech in Untersuchungshaft sitzt, kommentierte der Alpine-Chef nun mit: "Na, Gott sei Dank sitzt der im Gefängnis und nicht ich."

Hilfreicher Tippgeber

Hilfreicher Tippgeber

Aluta-Oltyan räumte ein, dass Dung wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Projekts gehabt habe. Dung habe Alpine durch einen Tipp erst auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht, erklärte Aluta-Oltyan. Ebenso stamme von Dung die Idee, die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron für einen Entwurf zu gewinnen.

Von Anfang an sei bei einer erfolgreichen Vermittlung ein Honorar von einem halben Prozent der Bausumme vereinbart worden, fügte Aluta-Oltyan hinzu - und korrigierte damit seine Angaben von vergangener Woche. Zahlungen an Wildmoser gab es nicht. "Mir waren und sind irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wildmoser und Dung nicht bekannt", sagte der Alpine-Chef.

Auch habe seine Baufirma keinen Hinweis auf geheime Ausschreibungsdetails erhalten. Informationen etwa über die finanzielle Schmerzgrenze der Vereine in Bezug auf die Bausumme habe es nicht gegeben. Er wisse nicht, ob Dung Geld weitergegeben habe. Er habe Wildmoser junior lediglich am Rande von Veranstaltungen in Zusammenhang mit der Ausschreibung getroffen, ebenso wie andere Mitglieder der Stadion-GmbH, sagte Aluta-Oltyan.

Aluta-Oltyan unter Verdacht

Aluta-Oltyan selbst steht in der Stadion-Affäre weiter unter Druck. Die Salzburger Staatsanwaltschaft ließ in Salzburg-Stadt und Wals-Siezenheim zwei Dependancen von Alpine durchsuchen und stellte dabei umfangreiches Material sicher. Ermittelt wird gegen Aluta-Oltyan und gegen den für Deutschland zuständigen Geschäftsführer Willy Böck.

Alpine ist mit etwa 1,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und 8300 Beschäftigten der drittgrößte Baukonzern Österreichs. Er ist überwiegend in Österreich tätig, baut aber auch im Mittleren Osten und China. Alpine gehört mehrheitlich der Industriellenfamilie Pappas, die als eine der reichsten des Landes gilt und einen großen Teils des Handels mit Mercedes-Automobilen in Österreich kontrolliert.

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