Terror in Spanien Weitere Verdächtige

Nach den verheerenden Anschlägen von Madrid fahnden die Ermittler laut Presseinformationen nach mehreren Marokkanern. In Deutschland entbrennt derweil die Diskussion um neue Sicherheitskonzepte.

Madrid - Die spanische Polizei hat offenbar insgesamt sechs mutmaßliche Attentäter der Bombenanschläge in Madrid identifiziert. Bei den Verdächtigen handele es sich um Marokkaner, berichtete die Zeitung "El Pais" am Dienstag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Gruppe hat möglicherweise am vergangenen Donnerstag die Anschläge auf Pendlerzüge in der spanischen Hauptstadt verübt, bei denen 201 Menschen getötet wurden.

Einer der Marokkaner, der bereits verhaftete Jamal Zougam, sei von zwei Überlebenden der Anschläge erkannt worden. Er habe Verbindungen zu Personen gehabt, die an den Bombenattentaten in Casablanca im Mai vergangenen Jahres beteiligt gewesen sein sollen, heißt es in dem Bericht.

Marokkanische Regierungskreise hatten zuvor einen Zusammenhang zwischen den Anschlagserien von Madrid und Casablanca bestritten. Das spanische Innenministerium hat bislang keine Stellungnahme abgegeben.

Zougam war am Samstag festgenommen worden. Die Polizei kam ihm nach dem Fund einer Tasche mit Sprengstoff und einem Mobiltelefon in einem der Züge auf die Spur. Anklage wurde aber bislang nicht erhoben. Die spanische Polizei konzentriert sich in ihren Ermittlungen zunehmend auf Spuren, die zum Terrornetzwerk Al Qaida führen.

Sicherheitsdiskussion in Deutschland

Die Terroranschläge von Madrid setzen unterdessen deutsche Politiker unter Zugzwang. Die Vorschläge reichen von einer grundlegenden Reform des Verfassungsschutzes bis zum verstärkten Einsatz der Bundeswehr im Inland.

Laut "Berliner Zeitung" gibt es sowohl in der CDU als auch in der SPD Überlegungen, den Verfassungsschutz umzustrukturieren. Der nordrhein-westfälische CDU-Chef Jürgen Rüttgers wolle in der kommenden Woche ein mit Parteifreunden aus anderen Bundesländern abgestimmtes Strategiepapier zur inneren Sicherheit vorlegen, in dem auch eine Reform des Inlandsgeheimdienstes vorgeschlagen wird.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat zur Terrorbekämpfung einen verstärkten Einsatz der Bundeswehr im Inland gefordert. Sie sollte beispielsweise die Polizei beim Objektschutz entlasten, insbesondere bei der Bewachung der Wohnanlagen der in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten und ihrer Familien, sagte Schönbohm in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Der Bundeswehrgeneral a. D. forderte eine entsprechende Modernisierung des Grundgesetzes. Als "schwerwiegende Fehleinschätzung" kritisierte Schönbohm, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) noch am Samstag gesagt hatte, dass die Sicherheitslage sich nicht geändert habe.

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