EU-Verfahren Monti demontiert Peugeot

Im Fall Volkswagen hat EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti eine Schlappe einstecken müssen. Nun will er Peugeot wegen Marktmissbrauchs belangen. Sollte er seinen Verdacht beweisen können, droht dem Konzern ein millionenschweres Bußgeld.

Brüssel - PSA Peugeot Citroën  droht als erstem französischen Autohersteller ein EU-Kartellverfahren wegen vermutetem Marktmissbrauch im Autohandel. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA auch weiterhin gegen marktverzerrende Gepflogenheiten im Autohandel durchgreifen, obwohl er vor wenigen Monaten in einem Volkswagen-Fall vor dem Luxemburger EU-Gericht eine schwere Schlappe einsteckte.

Für den zum französischen PSA-Konzern gehörenden Hersteller Peugeot ging es bei den EU-Vorermittlungen vor allem um den Autoverkauf in den Niederlanden. Der Markt gilt in der EU als vergleichsweise preiswert.

EU-Ermittler hatten bereits 1999 Geschäftsräume von Peugeot in Paris durchsucht, um Aufschluss über Vertriebspraktiken zu erhalten. Das Abschotten nationaler Automärkte zum Nachteil von auswärtigen Käufern ist verboten. Falls die EU-Wettbewerbshüter in einem Verfahren ihren Verdacht beweisen können, droht ein hohes Bußgeld. Brüsseler Kartellverfahren können sich auch nur gegen einen einzigen Hersteller wenden.

Bisher wurden französische Hersteller nicht in Brüssel bestraft. Die Preisunterschiede für neue Personenwagen betragen in der EU immer noch bis zu 40 Prozent vor Steuern. Nach der jüngsten Übersicht der Kommission gehört Peugeot zu den Marken mit den größten Preisunterschieden in den Ländern der Euro-Zone.

Im Dezember hatte das Luxemburger EU-Gericht in erster Instanz ein Monti-Bußgeld gegen den VW-Konzern  von 30,96 Millionen Euro wegen angeblich künstlich hoher Preise für den Passat in Deutschland gekippt.

Die Monti-Behörde wolle aber weiterhin Hersteller zur Verantwortung ziehen. Die Kommission sei bei der Feststellung von Verletzungen des freien grenzüberschreitenden Autohandels durch den Spruch der Luxemburger EU-Richter bestätigt worden, auch wenn das Gericht die Bußgelder verminderte.

So hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September ein Strafgeld von 90 Millionen Euro gegen VW wegen Behinderung des Autokaufs in Italien letztinstanzlich bestätigt. Bei der von Monti angestoßenen Liberalisierung des europäischen Autohandels gibt es dem Vernehmen nach immer noch Probleme mit den deutschen Herstellern BMW  und Porsche , die aber gütlich gelöst werden sollen. Bei dem Streit geht es um Vorgaben der Hersteller an ihre Händler zur Ausstattung der Verkaufsräume.

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