Linde Ende der Eiszeit

Der Wiesbadener Industriekonzern hat seine margenschwache Kältetechnik-Sparte verkauft. Nun wittert Linde-Chef Wolfgang Reitzle Frühlingsluft und will sich ganz auf das Geschäft mit Gabelstaplern und Industriegasen konzentrieren. Da wird der Börse wohlig warm.

Wiesbaden - Der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerspezialist Linde  wird seine Sparte Kältetechnik an das US-Unternehmen Carrier Corporation verkaufen.

Die Sparte werde für 325 Millionen Euro an Carrier, eine Tochter des in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut ansässigen Konzerns United Technologies  verkauft, teilte Linde am Montag in Wiesbaden in einer Pflichtmitteilung mit.

Die traditionsreiche Kältetechniksparte war 1879 als "Gesellschaft für Linde's Eismaschinen" in der Form einer Aktiengesellschaft gegründet und unlängst ausgegliedert und rechtlich verselbstständigt worden.

Die Sparte, die unter anderem Kühlregale für die Lebensmittelbranche produziert, ist die kleinste im Linde-Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt 866 Millionen Euro. Sie gilt als vergleichsweise margenschwach und hatte zuletzt auch unter der Investitionszurückhaltung im Lebensmittel-Einzelhandel gelitten.

"Der Verkauf der Linde Kältetechnik ist für uns eine wichtige strategische Weichenstellung", kommentierte Linde-Chef Wolfgang Reitzle die Bekanntgabe des Verkaufs. "Wir konzentrieren uns künftig auf unsere ertrags- und wachstumsstarken Bereiche Gas und Engineering sowie Material Handling", so Reitzle. Analysten hatten beim länger geplanten Verkauf der Sparte mit einem Betrag von rund 300 Millionen Euro gerechnet.

Carrier ist laut Linde der Weltmarktführer in der Klima-, Heizungs- und Kühltechnik mit rund 40.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 7,5 Milliarden Euro.

Dividende bleibt unverändert

Die Aktie von ist am Montag nach dem Verkauf der Kältesparte gegen den Trend leicht gestiegen. Das Papier stieg bis 15.00 Uhr um 0,48 Prozent auf 44,21 Euro. Der Dax  sank dagegen gleichzeitig um 1,31 Prozent auf 3.864,13 Punkte. Analysten sehen eine weiter steigende Tendenz für das Papier.

Linde kündigte außerdem an, für 2003 eine unveränderte Dividende von 1,13 Euro zu zahlen. Das Unternehmen begründete dies am Montag mit der positiven operativen Ergebnisentwicklung und dem gestiegenen Cash-Flow. Die Dividende entspreche einer Ausschüttungssumme von 134,8 Millionen Euro.

"Kälte war ein Sorgenkind"

Eggert Kuls, Analyst bei M. M. Warburg, zeigte sich von der Höhe des Verkaufspreises positiv überrascht. "Mit 200 bis 300 Millionen Euro hätte ich gerechnet", sagte der Hamburger Analyst. Wie sich Linde weiter entwickle, hinge stark vom Gesamtmarkt ab. "Insgesamt wird sich Linde aber wahrscheinlich besser als der Gesamtmarkt entwickeln", sagte Kuls.

Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz bewertete den Verkauf auf lange Sicht als strategisch günstig: "Kälte war schon längere Zeit das Sorgenkind von Linde. Da ist es schon gut, dass sich überhaupt ein Käufer gefunden hat." Der Verkaufspreis habe indes am unteren Rand meiner Erwartungen.

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