Continental Produktion wandert aus

Im internationalen Wettbewerb kommt der Standort Deutschland mindestens in einer Sparte schlecht weg: der Reifenproduktion. Angesichts der hiesigen Rahmenbedingungen wird das Wachstum künftig in den Niedrigkostenländern vollzogen, so Conti-Chef Wennemer.

Hannover - Daher plant der Kfz-Zulieferer und Reifenhersteller Continental  weitere Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer. Conti-Sprecher Hannes Boekhoff sagte gegenüber manager-magazin.de, dass sich diese Entwicklung "nicht eher wieder umkehren könnte", als bis die hohen Lohnnebenkosten in Deutschland wieder auf einem international wettbewerbsfähigen Niveau angekommen seien.

Conti-Vorstandsvorsitzender Manfred Wennemer sagte der "Automobilwoche": "Mit einer Verlagerung von 50 bis 60 Prozent unserer europäischen Reifenproduktion in Niedrigkostenländer haben wir noch nicht die Obergrenze erreicht." Man werde sich im Gegenteil "hier noch signifikant steigern". Ein Lohngefälle wie beispielsweise zwischen Deutschland und Rumänien von etwa zehn zu eins ist dabei nur eine Begründung.

Als einen weiteren Grund nannte Wennemer den Anstieg der Rohstoffkosten, "die innerhalb der vergangenen 18 Monate etwa um 30 Prozent gestiegen sind". Diesen zusätzlichen Aufwand müsse der Konzern über die Automobilhersteller und den Handel an die Endverbraucher weitergeben. Conti verfolgt nach Aussage von Sprecher Boekhoff schon länger die Strategie "neue Kapazitäten schwerpunktmäßig im Ausland aufzubauen". Dabei seien die Rohstoffpreise ein Grund mehr für die Auslandsstrategie.

Rohstoffkosten um 30 Prozent gestiegen

"Außerdem sind wir auf Grund des derzeit sehr starken Euro wachsender Konkurrenz aus China, Japan und Südamerika ausgesetzt", fuhr Wennemer fort. Das erhöhe für Continental zusätzlich den Druck, die Produktivität zu steigern.

Für das Nutzfahrzeug-Reifenwerk in Stöcken hatte Continental sich in der vergangenen Woche mit der Gewerkschaft IG BCE auf ein umfangreiches Sparpaket für den Stammsitz geeinigt.

Bestandteil der neuen, langfristig angelegten Vereinbarung sei eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde auf 38,5 Wochenstunden für etwa 750 Beschäftigte in der Reifenproduktion. In dem Werk in Hannover-Stöcken sind rund 3300 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen der Produktion beschäftigt, einschließlich Forschung und Entwicklung sind es 4100.

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