Deutsche Bahn Börsengang in zwei Jahren angestrebt

Die Deutsche Bahn schließt einen Börsengang für das Frühjahr 2006 nicht aus. Allerdings müsse der Bund dem Unternehmen dafür kräftig unter die Arme greifen. Im Personenfernverkehr zeichnet sich indes ein Ende der Talfahrt ab.

Berlin - Die Deutsche Bahn strebt als letztes großes deutsches Staatsunternehmen einen Börsengang in zwei Jahren und damit noch vor der Bundestagswahl an. "Wir können im Frühjahr 2006 an die Börse. Die Planungen laufen darauf hinaus", sagte Bahn-Sprecher Werner Klingberg am Mittwoch in Berlin.

Auf Grund der Halbjahreszahlen 2005 solle der Bund seine Entscheidung über einen Börsengang treffen. Daraus ergebe sich dann ein Termin im Frühjahr 2006, sagte Klingberg.

"In einem ersten Schritt an die Börse geht es um einen Anteil am Unternehmen von deutlich unter 50 Prozent." Das Schienennetz solle nach dem Bahn-Plan "Blue Chip" für den Börsengang beim Unternehmen bleiben. Voraussetzung sei zudem eine langfristige Zusage des Bundes für die Instandhaltung des Schienennetzes. Jährlich benötige es rund 2,5 Milliarden Euro.

Beträge darüber hinaus könnten für den für Ausbau verwandt werden. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte, die Regierung werde im Frühjahr 2005 anhand der Zahlen der Bahn über den Börsengang entscheiden.

"Die Gespräche mit dem Bund sind nicht abgeschlossen"

Die Bahn bestätigte mit dem Zeitplan 2006 frühere Informationen aus Unternehmenskreisen sowie einen Vorabbericht der "Wirtschaftswoche". Danach sieht der Plan den März 2006 als Zeitpunkt für einen Börsengang vor. Das Magazin berichtet zudem, der Bund solle das Netz in Eigenregie zurücknehmen, wenn sich der Betrieb nicht rechne. "Die Gespräche mit dem Bund darüber sind nicht abgeschlossen", sagte Klingberg.

In Unternehmenskreisen hatte es geheißen, die Bahn wolle einen Börsengang aus dem Wahlkampf 2006 heraushalten. Es gilt zudem als sicher, dass bei einem Regierungswechsel sich die Lage für die Bahn verschlechtern würde: Die Union ist gegen einen Börsengang zusammen mit dem Netz und sieht darin eine mögliche Behinderung des Wettbewerbs auf der Schiene. Auch die Grünen und Teile der SPD sehen die Pläne skeptisch.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich dagegen im Januar massiv für einen Börsengang eingesetzt. "Der Börsengang der Bahn ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung", hatte er gesagt. Die Beteiligung von Investoren sei wichtig für die Entwicklung der Bahn. Voraussetzung sei allerdings, dass die Bahn 2004 Gewinne machen. Nach der Bahn-Mittelfristplanung, die der Nachrichtenagentur Reuters in Auszügen vorliegt, ist 2004 ein Gewinn von gut 300 Millionen Euro geplant. 2005 soll er auf eine Milliarde Euro steigen.

Bund will Vorarbeiten leisten

Bund will Vorarbeiten leisten

In einem Papier der Bundesregierung, das Reuters vorliegt, sichert der Bund weitgehende Unterstützung für die Bahn-Pläne zu. "Die Bundesregierung ist bereit, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt den Startschuss für den Börsengang zu geben", heißt es darin. Und weiter: "Die Bundesregierung wird parallel dazu (zu den Bahn-Bemühungen) innerhalb der Legislaturperiode die notwendigen politischen und rechtlichen Vorarbeiten leisten...."

Es gilt als sicher, dass ein umfangreiches Gesetzespaket für einen Börsengang nötig ist. Auch eine Zustimmungspflicht des Bundesrates, der von der Union dominiert wird, gilt als wahrscheinlich.

Personenfernverkehr auf dem Weg der Besserung

Die Deutsche Bahn hat indes die seit Mitte letzten Jahres anhaltende Talfahrt im Personenfernverkehr laut Presseinformationen im Monat Februar erstmals gestoppt.

Bahnchef Hartmut Mehdorn werde in der Aufsichtsratssitzung am Freitag von einer "deutlichen Bewegung" nach oben berichten können, meldete das Handelsblatt (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Umsatz im Fernverkehr habe bis auf die Stelle hinter dem Komma das Niveau des Februar 2003 erreicht, liege allerdings knapp unter den Planungen.

Dem Aufsichtsgremium wird am Donnerstag die vorläufige Vorjahres-Bilanz des Bahnkonzerns präsentiert. "Wesentliche Eckdaten" der Planung seien auch im schwierigen Konjunkturumfeld erreicht worden, zitiert die Zeitung die Bahn-Kreise. Die Fernverkehrstochter DB Reise & Touristik AG habe allerdings 2003 einen Verlust von 470 Millionen Euro eingefahren, ausgelöst vor allem durch die Pleite mit dem neuen Preissystem.

Korrektur der Tarife brachte kaum Verbesserung

Allerdings habe auch die Korrektur der Tarife keine Verbesserung gebracht, schreibt das "Handelsblatt" weiter. Dies hatte die Bahn zuletzt mit der schlechten Konjunktur begründet. Hinzu kamen Einbrüche bei der Pünktlichkeit der Züge. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2003 seien die Verspätungen jedoch kontinuierlich zurückgegangen, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Quellen aus dem Konzern. Mehr als 90 Prozent aller Fernzüge würden heute weniger als fünf Minuten verspätet sein.

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