Imagewechsel McDonald's macht gesund

Der Bulettenbrater werkelt hart an einem neuen Image: Fitness statt Fett. Doch während die Konzernmutter in den USA die Menüs klein kürzt, soll die deutsche Kundschaft unter der kundigen Anleitung eines Schrittzählers Kalorien verbrennen.

München - Morgan Spurlock hat zwölf Kilogramm zugenommen, in vier Wochen. Er hat in dieser Zeit ausschließlich bei McDonald's  gespeist. Seine Leberwerte haben sich in der Zeit so dramatisch verschlechtert, dass sein Arzt ihm riet, das Selbstexperiment abzubrechen. Doch er hat durchgehalten und über seinen Versuch einen Film gedreht: "Supersize Me".

Der filmische Angriff gegen fettexplosives Futter steht für eine ganze Reihe von Schwierigkeiten, denen der Marktführer des Fastfoods gegenübersteht: neue Kampagnen gegen Fettleibigkeit, Gerichtsverfahren von Übergewichtigen und die ersten roten Quartalszahlen in der rund fünfzigjährigen Firmengeschichte.

McDonald's Deutschland kann sich nach den jüngsten Bilanzen zwar recht gelassen geben. Der Umsatzrückgang von 2,28 Milliarden auf 2,27 Milliarden Euro fiel, gemessen an der allgemeinen Zurückhaltung der Verbraucher, minimal aus, die Zahl der Gäste konnte sogar von 715 Millionen auf 741 Millionen gesteigert werden. Aber man muss es ja nicht erst schlimm kommen lassen. Und so geht auch der deutsche Ableger gegen sein Image als Futterkrippe der Fettleibigen vor.

Schrittzähler soll Beine machen

Während die Konzernmutter medienwirksam die so genannten "Supersize Menus" bis Jahresende streicht, steht im Land der Dichter und Denker allerdings Erziehung auf dem Plan. Angebote in der Größe der "Supersize Menus" seien in Deutschland nie angeboten worden, erklärte Ricarda Rücker, Sprecherin der Münchener Niederlassung, gegenüber manager-magazin.de: "Unsere Maxi-Menüs sind deutlich kleiner, für 'Supersize' gab es nie Bedarf."

Ab Ende März aber werde McDonald's in Broschüren über die "ausgewogene Balance" zwischen Energieaufnahme und Körperertüchtigung "aufklären". Und damit das Ganze nicht gleich im Papierkorb landet, soll zu den Menüs ein Schrittzähler angeboten werden. "Der zeigt Ihnen an, wie viel Kalorien Sie beim Gehen verbrannt haben", verspricht Rücker.

"Aus dem Bauch heraus"

"Aus dem Bauch heraus"

Begleitet wird das durch Angebote, wie sie vor wenigen Jahren in einer McDonald's-Filiale undenkbar gewesen wären. Bereits jetzt kann man die Menüs mit einem "Gartensalat" statt mit Fritten kombinieren und als Nachtisch darf's statt Softeis gern ein Joghurtdrink sein.

Bald wird es die Fruchttüten aus den Kindermenüs auch in erwachsener Größe geben, die allerdings - wie es sich für ein Dessert gehört - die reinsten Zuckerbomben sind. Zusammen mit dem Schrittzähler werden außerdem "Premiumsalate" auf die Karte kommen, die als komplette Mahlzeiten taugen.

McDonald's ist also bemüht, den Anschluss an Fitness und Körperkult nicht zu verpassen. Zwar ist der Big Mäc weiterhin der meistverkaufte Klops des Hauses.

Aber vielleicht wird ja bald schon die Vision des Zürcher Trendforschers Lars Feldmann wahr, der vergangene Woche auf einer McDonald's-Podiumsdiskussion während der Gastronomiemesse Internorga vortrug: "In zwei Jahren wird weltweit die McDonald's-Diät eingeführt, in fünf Jahren bietet McDonald's die meisten individuellen Ernährungsberatungen über Internet an und in zehn Jahren stehen keine Friteusen mehr in den Restaurants."

McDonald's als Wellness-Magnat der Zukunft? Der Schrittzähler als erster Schritt zum McDonald's-Trainingsprogramm? Ricarda Rücker winkt ab: "Wir werden kein Fitnessstudio."

Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion sind auf der Website in einem kleinen Dossier über die Fast-Food-Trends von morgen zusammengefasst. Der vieldeutige Titel: "Aus dem Bauch heraus."

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