Genfer Autosalon "Mehr Autos zu verkaufen ist leicht, ...

… damit Geld zu verdienen, ist die schwierigere Frage", sagte VW-Chef Pischetsrieder heute auf der Autoschau – und dementierte Pläne von Werksschließungen. Mehr News aus Genf: Audi will 2008 die Millionenmarke knacken, PSA drängt auf den US-Markt, BMW erneuert den Absatzrekord und DaimlerChrysler warnt vor verunsicherten Kunden.

Genf - Auf dem Genfer Autosalon machen die großen Konzerne heute mit ganz unterschiedlich gelagerten Meldungen von sich reden. VW-Chef Bernd Pischetsrieder wehrt sich gegen Gerüchte und sagt, er plane keine Werksschließung. Dies werde "ganz sicher nicht" geschehen, so der Vorstandschef in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA.

Entsprechende Spekulationen waren aufgekommen, nachdem Volkswagen  in der vergangenen Woche ein Maßnahmenpaket zur Kostensenkung beschlossen hatte. Wenn man in einem Konzern 50 bis 60 verschiedene Modelle habe, könne man die dafür installierte Kapazität nicht immer gleichzeitig ausnutzen, hieß es. Die Erweiterung der Modellpalette werde schon bald wieder für mehr Auslastung sorgen.

Pischetsrieder sagte, VW halte an dem Ziel fest, in diesem Jahr 600.000 Golf zu verkaufen. "Ob wir das schaffen, werden wir am Ende des Jahres sehen", meinte er. Ähnlich äußerte sich der Unternehmenschef zu der Prognose, den Absatz im VW-Konzern in diesem Jahr von 5,0 auf 5,5 Millionen Fahrzeuge zu steigern. Dazu müsse man wissen, was sich Ende des Jahres tue. Es mache keinen Sinn, eine konkrete Zahl zu verfolgen, meint Pischetsrieder. "Mehr Autos zu verkaufen, geht leicht - damit Geld zu verdienen, ist die schwierigere Frage."

Der Automanager kommentierte Medienberichte, wonach sein Stuhl wackele, dies "ist kein Thema, dass mich in irgendeiner Weise beschäftigen würde". Mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gebe es "überhaupt keinen Dissenz" über die Strategie - auch nicht mit Martin Winterkorn, dem Chef von Audi . Winterkorn war in Zeitungsberichten als potenzieller Pischetsrieder-Nachfolger genannt worden.

Pischetsrieder unbeirrt für hochpreisige Modelle

Zu dem finanziellen Umfang des Kostensenkungsprogramms "formotion" wollte sich Pischetsrieder nicht äußern. Er betonte, damit solle VW eine solide Zukunft gesichert werden, falls die schwache Konjunktur und die Dollar-Schwäche anhielten. "Um unter diesen negativen Annahmen unsere Ziele zu erreichen, haben wir dieses Programm aufgelegt." Es gehe nicht primär darum, in diesem oder einem anderen Jahr das Ergebnis zu verbessern, sondern dauerhaft ein verbessertes Niveau der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Einzelheiten will der VW-Chef auf der Bilanzpressekonferenz von VW am 9. März erläutern.

Pischetsrieder verteidigte erneut die Strategie, verstärkt in höherwertige Automobilsegmente vorzudringen. VW müsste in allen Segmenten annähernd gleich stark vertreten sein, zumal die Oberklasse mit Abstand am profitabelsten sei. Das eine zu machen, bedeute nicht, das andere zu lassen, entgegnete er auf Forderungen, VW müsse sich wieder mehr auf preiswertere Automobile konzentrieren.

Eine Entscheidung, auf welcher technischen Plattform das Projekt C1 (Modell zwischen Passat und Phaeton) gebaut werde, falle im April. In der Diskussion als Plattformen sind der Maserati Quattroporte und der Audi A6. Der Anteil von VW am schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania stehe nicht zur Disposition.

BMW-Absatz steigt um 4 Prozent

BMW-Absatz steigt um 4 Prozent

Die Münchener BMW Group  hat im Februar beim Absatz wieder zugelegt, nachdem im Vormonat ein herber Einbruch verzeichnet worden war. Damit untermauert der Konzern frühere Aussagen, wonach die Januar-Verkaufszahlen "ein Ausreißer" waren und im Gesamtjahr 2004 erneut Zuwächse bei allen drei Marken erwartet werden.

Im abgelaufenen Monat habe BMW nach vorläufigen Zahlen rund 77.000 Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert, 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Unternehmen in Genf mit. Auch die Kernmarke BMW habe um etwa 4 Prozent zugelegt. Im Januar war der Absatz des Konzerns weltweit noch um 7,1 Prozent geschrumpft.

Neben dem erneuten Absatzrekord will BMW früheren Aussagen zufolge 2004 auch den Gewinn wieder steigern, nachdem für das abgelaufene Jahr ein stabiles Ergebnis in Aussicht gestellt wurde. Konkrete Zahlen zu 2003 wird BMW im März veröffentlichen.

Die BMW-Aktie führte im frühen Handel zusammen mit den Papieren von VW die Gewinnerliste im Deutschen Aktienindex Dax  an. Der Anteilsschein verbuchte ein Plus von 3,2 Prozent auf rund 35,60 Euro, während der Gesamtmarkt um 0,6 Prozent zulegte.

PSA auf der Reise in die USA

PSA auf der Reise in die USA

Der weltweit sechstgrößte Autohersteller PSA Peugeot Citroën  will wieder auf den amerikanischen Markt zurückkehren. "Die Frage ist nicht, ob wir zurückkehren, sondern wann", sagte PSA-Chef Jean-Marie Folz der "Süddeutschen Zeitung". "Wir brauchen mehrere Produkte, die die Erwartungen der dortigen Käufer treffen. Wir müssen ein dichtes Verkaufsnetz aufbauen, und wir müssen eine industrielle Basis schaffen."

In Deutschland peilt PSA in diesem Jahr 6,5 Prozent Marktanteil an. In den Folgejahren soll der Absatz weiter kontinuierlich wachsen. In allen anderen Ländern Westeuropas wollen die Franzosen mindestens jeden zehnten Wagen verkaufen. In Westeuropa insgesamt lagen die Marken Peugeot und Citroën im vergangenen Jahr bei 15,4 Prozent Marktanteil.

Mit dem neuen Mittelklassewagen Peugeot 407, der im April auf den Markt kommen soll, schickt PSA das Flaggschiff der sechs neuen Modelle ins Rennen. "Wir wollen von diesem Auto in diesem Jahr 150.000 Stück und im kommenden Jahr 300.000 verkaufen. Vom Vorgänger waren es maximal 260.000. Wir werden mehr Varianten haben, aber auch von unserem besseren Image profitieren", sagte Folz.

Audi hofft auf "Sonderkonjunktur"

Audi hofft auf "Sonderkonjunktur"

Wachstum steht auch für den Ingolstädter Autobauer Audi  ganz oben auf dem Strategieplan. Der Konzern peilt mittelfristig beim Absatz die Millionenmarke an. "Wir sind zuversichtlich, mit unseren neuen Modellen eine Sonderkonjunktur zu haben", sagte Audi-Chef Martin Winterkorn dem "Handelsblatt". Bis 2008 solle der jährliche Absatz auf mehr als eine Million gesteigert werden. Lücken in der Angebotspalette sollten durch zwei Geländewagen, einen Supersportwagen, Coupés und Kombis geschlossen werden. 2003 hatte Audi die Zahl der Auslieferungen um 3,7 Prozent auf 769.893 verkaufte Fahrzeuge gesteigert.

Winterkorn trat zugleich Spekulationen entgegen, angesichts der Erfolge der Marke Audi werde er in Zukunft im Mutterkonzern Volkswagen auf größeren Einfluss pochen. "Da gibt es keinen Zusammenhang. Mit Konzernchef Bernd Pischetsrieder bin ich grundsätzlich einig darüber, in welche Richtung sich der Konzern und seine Marken entwickeln sollen", sagte der Audi-Chef.

Audi hat in den ersten zwei Monaten des Jahres ein leichtes Absatzplus erzielt und strebt für 2004 weiterhin Rekordverkaufszahlen an. Der weltweite Verkauf in der Kernmarke sei in den Monaten Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 1 bis 2 Prozent gestiegen, sagte ein Audi-Sprecher am Dienstag und bestätigte damit Aussagen von Vertriebschef Ralph Weyler auf dem Genfer Autosalon. Zugelegt habe der Absatz vor allem in China, Spanien und Großbritannien. Der Verkauf in den USA gestalte sich hingegen schwierig, und auch im Inland stocke das Geschäft.

Damit dürfte sich das Absatzwachstum im Februar tendenziell verlangsamt haben: Für den Monat Januar hatte Weyler zuletzt noch ein Plus von 3,1 Prozent verkündet. 2003 hatte Audi den Absatz um 3,7 Prozent auf knapp 770.000 Fahrzeuge gesteigert und damit den achten Verkaufsrekord in Folge verbucht.

Dieser Erfolg schlug allerdings nicht auf das Ergebnis durch. Wegen mangelnder Währungsabsicherung litt Audi ebenso wie die Konzernmutter VW unter dem Euro-Höhenflug und musste vor Steuern einen Gewinnrückgang von knapp 12 Prozent auf rund 1,11 Milliarden Euro hinnehmen. Für das laufende Geschäftsjahr stellte der Konzern auf der Bilanz-Pressekonferenz vergangene Woche "eine stabile Ertragslage" in Aussicht.

DaimlerChrysler mit gedämpftem Ausblick

DaimlerChrysler mit gedämpftem Ausblick

Beim Pkw-Absatz sind nach Ansicht von DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert noch keine Anzeichen für ein Anziehen der Konjunktur 2004 auszumachen. Die Märkte in Deutschland und Frankreich blieben schwach, sagte der für die Mercedes Car Group (MCG) zuständige Konzernvorstand in Genf. In Deutschland flaue die Verunsicherung der Verbraucher nicht ab. Auch in den USA sei keine Erholung erkennbar. Dort werde der Absatz durch verkaufsfördernde Maßnahmen getrieben.

Die Mercedes Car Group mit dem Marken Mercedes, Maybach und Smart werde im ersten Halbjahr einen Absatz leicht unter Vorjahr erreichen, sagte Hubbert. "Wir liegen etwas hinter dem vergangenen Jahr zurück, was wir aber die ganze Zeit erwartet hatten", sagte Hubbert. Den verhaltenen Start ins laufende Jahr führte der Mercedes-Manager zum größten Teil auf Modellüberarbeitungen der C-Klasse, der A-Klasse Mini-Car sowie des Geländesportwagens der M-Klasse zurück.

Hubbert bekräftigte, der Absatz werde 2004 leicht über dem des Vorjahres liegen. "Die erste Jahreshälfte wird schwächer sein als die im Vorjahr, aber die zweite Hälfte wird über dem Vorjahresniveau liegen, so dass wir erwarten, am Ende leicht besser zu sein als 2003."

Renschler zur Bestandsaufnahme bei Mitsubishi

Hubbert übernahm anstelle des Smart-Verantwortlichen Andreas Renschler die Vorstellung der neuen Brabus-Version des "roadster". Der Smart-Manager befindet sich im Auftrag der Konzernspitze in Japan. Dort soll er eine Bestandsaufnahme bei der angeschlagenen Mitsubishi Motor Corp. erstellen, an der DaimlerChrysler  37 Prozent hält.

Die Kleinwagentochter Smart will im diesem Jahr ihre Verkäufe um knapp 50 Prozent auf 170.000 bis 180.000 Fahrzeuge steigern, wie Hubbert bekräftigte. Er begründete die Zuversicht mit der Stärke der Marke, dem neuen Viersitzer "forfour" und dem weiteren Ausbau der Absatzmärkte für Smart. Im vergangenen Jahr hatte der Smart-Absatz mit rund 124.000 Pkw seinen bisherigen Bestwert erreicht.

DaimlerChrysler hatte jüngst mitgeteilt, für das laufende Jahr trotz der erwarteten Erholung auf den Automobilmärkten nur mit einem leichten Anstieg des operativen Gewinns zu rechnen. Im vergangenen Jahr brach der Konzerngewinn nach Steuern 2003 unter anderem wegen einer Milliarden-Abschreibung auf die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS  auf 448 Millionen Euro ein von 4,72 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Ford und Fiat, Verlierer von gestern

Ford und Fiat, Verlierer von gestern

Nach dem Krisenjahr 2003 hofft der Autobauer Ford , seine Verluste in Europa deutlich eindämmen zu können. Ford-Europe-Chef Lewis Booth sagte in Genf, das Unternehmen rechne 2004 nach Restrukturierungskosten mit einem Vorsteuerverlust von 100 bis 200 Millionen Dollar (80 bis 160 Millionen Euro). Dies wäre deutlich weniger als im vergangenen Jahr, als die Filiale des US-Autobauers ein Loch von 1,1 Milliarden Dollar in der Bilanz hatte.

Mit einem steigenden Absatz und damit gesünderen Zahlen rechnet die Autosparte des krisengeschüttelten Fiat-Konzerns  nach Worten ihres Chefs Herbert Demel im laufenden Jahr. Das Absatz-Wachstum werde 2004 allerdings unter zehn Prozent bleiben, sagte Demel.

Im vergangenen Jahr hatte Fiat Auto mit 1,7 Millionen Fahrzeugen 8,8 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr, in dem das italienische Traditionsunternehmen in seine bislang schwerste Krise gestürzt war. Die Verkaufszahlen des Fiat Stilo, in den der Autobauer einst große Hoffnungen gesetzt hatte, gehen in diesem Jahr voraussichtlich etwas zurück, kündigte der Manager an. Demel, der den Chefposten bei der Sparte im November übernommen hatte, zeigte sich grundsätzlich für neue Partnerschaften mit anderen Autobauern offen.

Fiat: Neue Qualitätseinschätzung durch Kunden

"Über die gesamte Produktpalette gesehen wachsen wir und wir beabsichtigen, weiter zu wachsen. 2004 muss einen höheren Absatz haben als 2003 und unsere neuen Produkte, die Wahrnehmung einer verbesserten Qualität sowie unsere Image-Verbesserung helfen uns dabei", sagte Demel. Fiat hatte im vergangenen Jahr einen Restrukturierungsplan auf den Weg gebracht. Im Rahmen des Planes sollen binnen vier Jahren 20 neue Modelle auf den Markt kommen und damit wieder mehr Käufer angelockt werden. Die wichtigsten Märkte außerhalb Italiens sollen Demel zufolge Brasilien, China und die Türkei werden. "China ist ein wichtiger Markt für uns. Wir sind nicht groß dort, aber wir werden mindestens so schnell wachsen wie der Markt."

Demel kündigte an, gemeinsam mit dem US-Partner General Motors  , der vor vier Jahren 20 Prozent an Fiat Auto gekauft hatte, ein neues großes Auto produzieren zu wollen. Dabei würden erhebliche Entwicklungs- und Investitionskosten eingespart. Weitere Details nannte er nicht. Die bestehenden Partnerschaften mit GM und dem französischen Autobauer Peugeot wolle Fiat ausbauen. Auch neue Allianzen schloss Demel nicht aus. "Aus Branchenperspektive macht es immer Sinn, Allianzen einzugehen", sagte er.

Fiat hat die Option, die Auto-Sparte ab 2005 vollständig an GM, den weltgrößten Autobauer, zu verkaufen. Demel bekräftigte indes, er wolle auch in Zukunft die Unabhängigkeit von Fiat Auto sicherstellen. Der GM-Anteil an Fiat Auto hat sich mittlerweile auf rund zehn Prozent verwässert, weil GM sich an einer Kapitalerhöhung bei Fiat Auto im vergangenen Jahr nicht beteiligt hat. Zuletzt hatte es zudem Unstimmigkeiten zwischen den beiden Unternehmen über die Gültigkeit der Verkaufsoption gegeben.