MG Technologies "Umfangreiche Bereinigung alter Baustellen"

Udo Stark fordert als neuer Mann an der Spitze einen neuen Namen für das Unternehmen, einen neuen Konzernsitz und einen passend radikalen Umbau. "Tempo machen ohne Tabus", lautet seine Strategie.

Frankfurt - Der Chemie- und Anlagenbaukonzern MG Technologies  treibt nach unerwartet hohen Verlusten seinen Komplettumbau voran. Den Aktionären solle auf der nächsten Hauptversammlung vorgeschlagen werden, den Sitz des Unternehmens von Frankfurt nach Bochum zu verlegen, sagte Vorstandschef Udo Stark am Dienstag in Frankfurt. Noch in der vergangenen Woche waren solche Pläne dementiert worden.

Die in Bochum angesiedelte Tochter Gea werde mit der MG - der früheren Metallgesellschaft - zum Jahresbeginn 2005 vollständig verschmolzen und künftig das "Kernstück" des neu aufgestellten Konzerns bilden. Auch über einen neuen Namen denke man nach. Der bereits beschlossene Verkauf der Chemiesparte mit Dynamit Nobel und Solvadis werde im Laufe dieses Jahres umgesetzt, derzeit laufe die zweite Bieterrunde. Es bestehe nach wie vor ein sehr hohes Interesse von Finanz- und strategischen Investoren, erklärte Stark.

Bereinigung laut Stark "leider sehr umfangreich"

"Wir möchten Tempo machen beim Umbau - ohne Tabus", sagte Stark, der Mitte 2003 die Nachfolge des umstrittenen Kajo Neukirchen angetreten hatte. Die "leider sehr umfangreiche Bereinigung alter Baustellen" vor allem im Großanlagenbau habe 2003 zu Einmalkosten und Sonderbelastungen von 437 Millionen Euro geführt. Dadurch falle nach den vorläufigen Zahlen ein Verlust vor Steuern in Höhe von 241 Millionen Euro an. Ursprünglich war ein Minus von 170 Millionen Euro erwartet worden.

Der Großanlagenbau (Lurgi, Lurgi Lentjes, Zimmer) solle mit neuem Fokus und Management bis 2005 wieder die Gewinnschwelle erreichen. In den nächsten beiden Jahren werden dort 500 von heute 2.700 Stellen abgebaut. Mit der Auflösung der Holdings beider Gesellschaften sei begonnen worden. Geplant sei, Bereiche mit niedriger Rentabilität und schwacher Marktposition aufzugeben, sagte der für den Großanlagebau zuständigte Vorstand Klaus Moll.

Insgesamt beschäftigt MG rund 30.000 Menschen, davon 14.000 bei der erst 1999 übernommenen GEA und 13.000 in der Chemie-Sparte.

Eine mögliche Umbenennung des Konzerns nach dem Umbau sei noch nicht entscheidungsreif, werde aber geprüft, sagte Stark. Faktoren seien die Bekanntheit der Produktmarken, der nötige Aufwand für eine Namensänderung und die Akzeptanz einer neuen Bezeichnung an den Kapitalmärkten.

"Der Name MG Technologies hat sich wenig durchgesetzt", gab der Manager zu bedenken. Für die Vermarktung eines völlig neuen Kunstnamens nach dem Muster des Energiekonzerns Eon reichten die finanziellen Mittel jedoch nicht. Mit der 1881 von Wilhelm Merton gegründeten Metallgesellschaft habe das Unternehmen andererseits auch nur noch wenig zu tun.

Der Umsatz, der 2003 bei 8,2 Milliarden Euro lag, sinke nach Abschluss der Neustrukturierung auf rund fünf Milliarden Euro. Die Gea soll mit Wirkung zum 1. Januar 2005 verschmolzen werden. Die Minderheitsaktionäre der Gesellschaft für Enstaubungsanlagen (Gea) will MG im Rahmen einer Zwangsabfindung ausschließen.