Samstag, 21. September 2019

SchmidtBank Chronik des Niedergangs

Vor mehr als zwei Jahren wurde bekannt, dass die fränkische Traditionsbank ernsthafte Probleme hat. Ein langer Abstieg begann, an dessen Ende die Übernahme durch die Commerzbank steht.

Hof/Saale - Mit dem Kauf durch die Commerzbank hat der Niedergang der traditionsreichen SchmidtBank ein vorläufiges Ende gefunden. Eine Chronologie der Ereignisse:

Ende einer Geschichte: SchmidtBank
November 2001: In Medienberichten wird über Schwierigkeiten der SchmidtBank spekuliert. Sie habe einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von 400 Millionen Euro.

11. November 2001: Bankier Karl Gerhard Schmidt dementiert: "Wir sind überhaupt nicht gefährdet." Er bestätigt zugleich, dass Gespräche über den Verkauf der Anteile am Nürnberger Online-Broker Consors geführt würden. Consors-Chef ist sein Sohn Karl Matthäus Schmidt.

16. November 2001: Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen droht mit der Schließung des Bankgeschäfts der SchmidtBank.

18. November 2001: Der Bundesverband deutscher Großbanken verkündet eine Auffanglösung. Eine Auffanggesellschaft, deren Träger die vier deutschen Großbanken HypoVereinsbank, Commerzbank, Deutsche Bank und Dresdner Bank sind, übernimmt von der Familie Schmidt die Anteile an dem Geldhaus. Bankchef Schmidt legt seine Ämter nieder.

23. November 2001: Der Bankmanager Paul Wieandt wird neuer Vorstandschef. Die Bank hat noch 2300 Mitarbeiter und unterhält 140 Filialen in Bayern, Sachsen und Thüringen.

13. März 2002: Die meisten der rund 10.000 verbliebenen Kleinaktionäre akzeptieren auf einer Hauptversammlung ein Abfindungsangebot der Großbanken.

20. März 2002: Vorstandschef Wieandt kündigt einen knallharten Sanierungskurs mit dem Abbau von mehr als 800 Arbeitsplätzen an. Den Verlust für 2001 beziffert er auf mehr als 1,2 Milliarden Euro.

29. April 2002: Die französische Großbank BNP Paribas übernimmt die Anteile der SchmidtBank (66,4 Prozent) am Online-Broker Consors.

31. Mai 2002: Die SchmidtBank kündigt die Schließung von 50 Filialen an.

10. Juni 2002: Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt gegen den früheren Eigner der Bank, Karl Gerhard Schmidt.

14. August 2002: Mit einem Kapitalschnitt auf Null und der Ausgabe neuer Aktien unternimmt das Bankenkonsortium einen weiteren Schritt zur Rettung der SchmidtBank. Die neuen Eigner haben zusammen mit dem Einlagensicherungsfonds dafür bereits 1,143 Milliarden Euro aufgebracht.

30. Juni 2003: Die SchmidtBank hat im Geschäftsjahr 2002 rund 200 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet.

16. Dezember 2003: Die SchmidtBank erwartet für das Geschäftsjahr 2003 einen Verlust von rund 70 Millionen Euro. Vorstandschef Wieandt stellt weitere 300 Stellen zur Disposition.

29. Januar 2004: Die SchmidtBank und die Commerzbank erklären übereinstimmend, dass Gespräche über eine Kooperation geführt würden.

24. Februar 2004: Die Übernahme der SchmidtBank durch die Commerzbank ist perfekt.

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