Sonntag, 20. Oktober 2019

Lufthansa-Tarife Fliegen wird teurer

Die Lufthansa führt ein neues Tarifmodell ein: Zu den bisherigen Preisen werden die Verkaufsprovisionen hinzuaddiert. Der anfängliche Widerstand der Reisebüros sei nun gebrochen, meldet die Airline stolz. Doch die wollen sich nicht geschlagen geben.

Frankfurt/Main - Im Streit zwischen der Lufthansa Börsen-Chart zeigen und deutschen Reisebüros über das neue Vertriebskonzept der Fluggesellschaft scheint sich der Luftfahrtkonzern durchgesetzt zu haben. Die Lufthansa teilte mit: "Die deutschen Reisebüros haben die Änderungsverträge zum neuen Vertriebsmodell der Lufthansa mit überzeugender Mehrheit unterschrieben".

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"Wir zweifeln das an", sagte dagegen eine Sprecherin des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbands (DRV) gegenüber manager-magazin.de. Demnach sei die Stimmung unter den Verbandsmitgliedern eine andere. "Die Lufthansa verschweigt, dass eine große Zahl der Büros nur unter rechtlichem Vorbehalt unterschrieben hat." Das heißt sollte die Klage, die der DRV gegen der Konzern plant, erfolgreich sein, könnte die Unterstützung für die Lufthansa kippen.

Die Fluggesellschaft hatte angekündigt, ab 1. September 2004 ihre Tickets zum Nettopreis anzubieten, der dann keine Provisionen für die Vertriebsagenturen mehr enthält. Gleichzeitig werde der Nettopreis auf die Höhe des derzeitigen Bruttopreises angehoben. Reisebüros bleibe es überlassen, was sie für Beratung und Ausstellung der Tickets an Gebühren verlangen. Für den Kunden bedeutet die Umstellung einen Reisebüro-Aufschlag auf die gegenwärtigen Preise.

Verkaufsstopp bewirkte bisher nichts

Das neue Vertriebssystem war zunächst auf massiven Widerstand gestoßen. Einige Reisebüros protestierten mit einem dreitägigen Verkaufsstopp auf Lufthansa-Tickets. Weitere Maßnahmen sind für Anfang März geplant.

Die Lufthansa hält sich zugute, dass über 90 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland vertraglich gesichert seien - dem neuen Tarifmodell entsprechend. "Wir begrüßen es, dass die Branche die Chancen des neuen Vertriebsmodells erkannt hat und auch in Zukunft Lufthansa-Partner bleiben wird", sagte Thierry Antinori, Marketing- und Vertriebsvorstand der Lufthansa Passage Airlines, gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Etwa zwei Drittel des Ticketverkaufs des Weltluftverkehrs würden bereits auf Nettobasis abgewickelt, führte Antinori aus. "Das Modell ist eine Chance, den Anschluss nicht zu verpassen. Deutschland kann hier keine Insellösung für sich in Anspruch nehmen, denn wir stehen im internationalen Wettbewerb."

In der Praxis werden die Reisebüros den erhöhten Endpreis dem Kunden gegenüber rechtfertigen müssen und untereinander um die niedrigsten Aufschläge in Wettbewerb treten. Davon könnte vor allem der Online-Direktvertrieb der Tickets profitieren.

Den Reisebüros, die die Änderungsverträge bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht unterschrieben haben, wird in den kommenden Tagen gekündigt. Eine Sprecherin des Konzerns hatte gegenüber manager-magazin.de betont, dass der DRV nicht für die Mehrheit der deutschen Reisbüros spreche, schon gar nicht gemessen Umsatzvolumen. Die großen Agenturen seien dort nicht vertreten.

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