Donnerstag, 19. September 2019

Reisebüros "Darf's auch ohne Lufthansa sein?"

Weil ihnen die Airline mit dem neuen Preissystem die Provisionen streicht, haben zahlreiche Reisebüros heute keine Lufthansa-Tickets verkauft. Doch die Konzernführung bleibt hart. Den Kunden erwarten damit steigende Preise.

Frankfurt/Main - Mehrere hundert Reisebüros haben am Montag einen dreitägigen Verkaufsboykott gegen die Deutsche Lufthansa gestartet. Aus Protest gegen den von Lufthansa Börsen-Chart zeigen geplanten Wegfall der Provisionen an Reisebüros sollen bis Mittwoch möglichst keine Flugscheine der größten deutschen Airline verkauft werden.

Flug mit der Lufthansa: Zum vollen Ticketpreis kommt bald eine Buchungsgebühr
Lufthansa zeigte sich zunächst gelassen, obwohl etliche Reisebüros die neue Verkaufslizenz nicht unterschrieben haben und jetzt eine Kündigung bekommen. Nach Ablauf der Erklärungsfrist am Wochenende lagen Lufthansa nach eigenen Angaben Neuverträge im Volumen von gut vier Fünftel des bisherigen Ticketumsatzes in Deutschland vor.

Fast 700 von großen Konzernen und Ketten unabhängige Reisebüros hatten erklärt, die Unterschrift unter die neuen Verträge zu verweigern. "Es sind bisher gut 80 Prozent unseres bisherigen Ticketumsatzes gesichert", sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Montagnachmittag. Sie betonte, dass alle großen Reisebüroketten die neuen Verträge unterzeichnet hätten. In den nächsten Tagen sei noch mit einigen weiteren fristgerecht unterzeichneten Verträgen zu rechnen.

"Nicht für Preiserhöhung geradestehen"

Die Pläne sehen vor, vom 1. September an die bisherigen Provisionen zwischen 5 und 9 Prozent des Ticketpreises einzubehalten. Die Reisebüros sollen stattdessen für Verkauf und Beratung ein Serviceentgelt auf den Preis aufschlagen. Lufthansa spart dadurch nach Branchenangaben mehr als 100 Millionen Euro.

"Ich bin nicht bereit, für die saftige Preiserhöhung der Lufthansa geradezustehen", sagte der Inhaber eines Kölner Geschäftsreisebüros. "Einem Firmenkunden habe ich heute ein Lufthansa-Ticket verweigert und ihm das erklärt." Das Alternativangebot sei für diesen Kunden leider nicht in Frage gekommen. "Ich kenne auch Reisebüros, die können sich einen Verzicht auf Lufthansa nicht leisten", fügte er hinzu.

Wie viele der 4600 deutschen Reisebüros mit Lufthansa-Lizenz das neue Modell verweigert haben, steht erst in einigen Tagen fest. Ihnen werde von Lufthansa aber in jedem Fall gekündigt, sagte die Unternehmenssprecherin. Die Lufthansa-Aktie reagierte am Montag kaum und legte um knapp ein Prozent auf 14,60 Euro zu.

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