Yukos "11 Milliarden für die Freilassung unseres Chefs"

Milliardär Chodorkowski sitzt seit Monaten in U-Haft. Dem Management der Bank Menatep, Keimzelle seiner Karriere, ist die Freiheit des Unternehmers viel wert: Aktien im Wert von 11 Milliarden Euro werden dem Kreml jetzt für seine Freilassung geboten.

Moskau - Die Affäre um den russischen Ölkonzern Yukos  hat eine überraschende Wendung genommen: Die Aktionäre der Holding Menatep wollen den früheren Konzern-Chef Michail Chodorkowski angeblich für einen Milliardenbetrag freikaufen. Die Anteilseigner seien bereit, ihre Aktien für die Freilassung Chodorkowskis aufzugeben, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen der Großaktionäre, Leonid Newslin.

Der Vorschlag gilt demnach auch für den ebenfalls inhaftierten Menatep-Präsidenten Platon Lebedew. Derzeit ist das Menatep-Aktienpaket an Russlands größtem Ölkonzern 11,5 Milliarden Euro wert.

"Wir sind bereit alles zu tun, um die Freiheit unserer Freunde zu erreichen", sagte Newslin. "Wenn wir Garantien bekommen, dass sie freigelassen werden, werden wir unsere Aktien übergeben." Der Vorschlag sei den russischen Behörden vor einer Woche unterbreitet worden. Bisher gebe es noch keine Antwort. Chodorkowskis Anwalt, Antron Drel, sagte dagegen, ihm sei ein solches Angebot nicht bekannt. Gegenüber manager-magazin.de gab es am Montag bis 17 Uhr seitens der zuständigen Menatep- und der Yukos-Sprecher kein Dementi aber auch keine Bestätigung für das Milliarden-Angebot.

Top-Management der Bank Menatep hat Haft-Erfahrung

Chodorkowski sitzt seit Oktober in Haft, weil ihm die russischen Staatsanwälte Betrug, Steuerhinterziehung und Dokumentenfälschung vorwerfen. Die Affäre um den größten russischen Ölkonzern wird als Zeichen eines Machtkampfes zwischen der russischen Regierung und einflussreichen Geschäftsleuten gewertet. Newslin, mit acht Prozent zweitgrößter Anteilseigner der Holding, war noch vor Chodorkowskis Verhaftung im vergangenen Sommer nach Israel geflohen. Lebedew war im Juli als erster der mächtigen Yukos-Aktionäre verhaftet worden.

Die Holding Menatep hält 44,1 Prozent an Yukos. Alle sechs darin vertretenen Hauptaktionäre saßen in den vergangenen Monaten entweder im Gefängnis oder sind ins Ausland geflohen. Ende vergangener Woche hatte die Wirtschaftszeitung "Kommersant" berichtet, Menatep werde in naher Zukunft eine neue Aktionärsstruktur veröffentlichen. Dies könnte dem Blatt zufolge auf eine geheime Übereinkunft mit dem Kreml hindeuten.

Allerdings veröffentlichte die Staatsanwaltschaft noch am selben Tag neue Vorwürfe gegen den gleichfalls inhaftierten Yukos-Anteilseigner Lebedew. Ihm wird neben Veruntreuung nun auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das Steuerministerium hatte kürzlich außerdem eine erhebliche Steuerzahlung von Yukos gefordert. Der Konzern habe im Jahr 2000 rund 100 Milliarden Rubel (2,6 Milliarden Euro) Steuern zu wenig gezahlt.

Chodorkowski muss, wenn die Regierung nicht auf das Angebot eingeht, indessen bis nach der Präsidentenwahl im März 2004 in Untersuchungshaft bleiben. Eine Freilassung gegen Kaution sei zu riskant, da Fluchtgefahr bestehe, hatte das Moskauer Stadtgericht seine Entscheidung vor kurzem begründet.

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