RAG US-Zechen vor dem Verkauf

Mehr als eine halbe Milliarde Euro wollte RAG-Chef Werner Müller für die ausländischen Zechen des Konzerns erlösen. Nun hat er offenbar eine Investorengruppe gefunden, die deutlich mehr zahlen könnte.

Essen - Der Mischkonzern RAG ist beim Verkauf seines Auslandbergbaus einen wichtigen Schritt voran gekommen. RAG wolle seine restlichen zwölf US-Bergwerke an eine Private-Equity-Gruppe verkaufen. Das teilte die RAG-Tochter RAG Coal International am Montag in Essen mit.

"Die Veräußerung gibt dem Management der RAG American Coal Holding die Möglichkeit, die unternehmerische Arbeit fortzuführen", erklärte Jürgen Stadelhofer, Vorstandschef der RAG Coal International, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Käufergruppe setze sich zusammen aus den Investmentgesellschaften Blackstone und First Reserve sowie dem US-Bergbaukonzern American Metals & Coal International (AMCI).

Diese drei Unternehmen hatte zuvor bereits die "Financial Times Deutschland" (FTD) als potenzielle Käufer genannt. Dem Bericht zufolge soll der ausgehandelte Preis für den Verkauf bei 1,05 Milliarden Dollar liegen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wurde der von der Zeitung genannten Kaufpreis von einer Milliarde Dollar in Unternehmenskreisen allerdings als zu hoch bezeichnet. Von dieser Summe müssten noch die nicht unerheblichen Schulden abgezogen werden.

Werner Müller, Bundeswirtschaftsminister vor Wolfgang Clement und nun RAG-Chef, hatte erst kürzlich im Interview mit dem manager magazin erklärt: "Wir planen den Verkauf ausländischer Zechen, falls wir dafür mehr als 500 Millionen Euro erlösen können." Weiterhin hatte Müller betont, die Steag sei eine "Ertragsperle", die man nicht unbedingt verkaufen müsse. "Wir haben strategischen Gestaltungsspielraum", erklärte Müller in dem Exklusiv-Gespräch.

Im vorigen Jahr hatte die frühere Ruhrkohle AG bereits mit dem weltgrößten privaten Bergbaukonzern Peabody vier Absichtserklärungen über den Verkauf von vier Zechen in Amerika und Australien unterzeichnet.

Schnelles Ende für Auslandsbergbau

Schnelles Ende für Auslandsbergbau

Den Rückzug aus dem Auslandsbergbau hatte der seit Frühsommer 2003 amtierende RAG-Vormann Müller als Kurskorrektur eingeleitet. Noch wenige Wochen vor seinem Amtsantritt hatte RAG eine neue Strategie vorgestellt, die den Konzern auf die Standbeine in- und ausländischer Kohlebergbau, Chemie und Immobilien stellte.

In den Auslandsbergbau war RAG erst 1999 durch die Übernahme von Zechen in den USA eingestiegen. Mit dem Kauf zweier australischer Zechen rückten die Essener dann in die Weltspitze der Kohleförderer vor. Aktuell beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben rund 3000 Mitarbeiter in seinen ausländischen Bergwerken.

Einem Unternehmenssprecher zufolge sind die mit Peabody vereinbarten Machbarkeitsprüfungen für die beiden Bergwerke im australischen Bundesstaat Queensland, für eine Zeche im US-Bundesstaat Colorado und für eine Zechenbeteiligung in Venezuela noch nicht beendet. "Da gibt es noch keinen Abschluss", sagte er. Festhalten wolle RAG an ihrem internationalen Kohlehandel.

Die noch übrigen zwölf US-Zechen wolle die in den verhandlungsnahen Kreisen namentlich nicht genannte Private-Equity-Firma so schnell wie möglich an eine Bergbaufirma weiterverkaufen. Ob es sich dabei um AMCI handele, war nicht zu erfahren.

Der Rückzug aus der internationalen Kohleförderung gilt in Unternehmenskreisen als Notlösung, weil die ursprünglich auf der Verkaufsliste stehende Stromtochter Steag nicht zu dem von Konzernchef Müller angestrebten Preis zu verkaufen sei. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister braucht Verkaufserlöse, um damit einen Kredit abzulösen, mit dem der Einstieg bei dem Spezialchemiekonzern Degussa finanziert worden war.

Blackstone, eines der Unternehmen der Investorengruppe, hatte sich in Deutschland zuletzt durch die Übernahme von Celanese bekannt gemacht. Jetzt ist die Beteiligungsfirma angeblich an dem Kauf einer wichtigen Sparte (Azetatfilter) des französischen Chemiekonzerns Rhodia interessiert.

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