Oetker Jeder siebte Liter Bier

Erst Radeberger, nun Brau und Brunnen: Dr. Oetker - der mit dem Backpulver, der Pizza und den Puddings - wandelt sich zu einem der größten Bierbrauer der Bundesrepublik. Doch der Grund des Glases ist noch nicht erreicht.

Bielefeld - Deutschlands künftiger Bierkönig heißt Oetker - vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu. Der Lebensmittelkonzern will 75 Prozent der Brauereigruppe Brau und Brunnen  (Jever, Berliner Pilsner, Tucher) übernehmen. Damit nicht genug, Oetker gehört schon die Radeberger-Gruppe (ehemals Binding), und weitere Zukäufe sind geplant.

So gibt es künftig auf dem deutschen Biermarkt gleich zwei Marktführer, die sich von anderen Brauunternehmen deutlich absetzen. Wie Oetker will nämlich auch der belgische Interbrew-Konzern (Diebels, Beck's, Hasseröder) künftig mehr als 15 Millionen Hektoliter in Deutschland brauen. Beide Gruppen kämen damit auf je 15 Prozent Anteil am Inlandsmarkt. Seinem Unternehmen, erläuterte Oetker-Generalbevollmächtigter Ulrich Kallmeyer bei einer Pressekonferenz in Frankfurt, gehe es aber in erster Linie um Marge und nicht um Hektoliter.

Oetker zahlt für die Übernahme von 61,7 Prozent der Aktien der Brau und Brunnen AG 220 Millionen Euro an die HypoVereinsbank in München. Den übrigen Anteilseignern wird ein Übernahmeangebot von 80 Euro pro Aktie unterbreitet.

Nach der Übernahme sollen Brau und Brunnen sowie die Radeberger-Gruppe als eigenständige Bereiche unter dem Oetker-Dach agieren. Auswirkungen auf die Zahl der zusammen rund 6000 Arbeitsplätze werde es nicht geben, sagte Kallmeyer.

Bier wird Oetkers zweitwichtigste Säule

Genau daran bestehen aber unter Marktbeobachtern Zweifel. Beide, Brau und Brunnen wie Radeberger, betreiben Braustätten in Dortmund und Berlin. Zumindest langfristig wird der Konzern, gerade weil er sich an Margen orientiert, die Synergien nutzen wollen, die sich anbieten. Es ist kaum zu erwarten, dass das ohne Arbeitsplatzabbau vonstatten geht.

Das Expansionstreiben kommt mit der Übernahme aber nicht zur Ruhe. Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann kündigte vollmundig weitere Übernahmen an. "Da werden wir sicherlich noch irgendwo zugreifen", so der Dortmunder Manager.

Mit der Übernahme von Brau und Brunnen verschiebt sich die Gewichtung der einzelnen Sparten im Oetker-Konzern. Bier wird zur zweitwichtigsten Säule. Wie aus Branchenkreisen verlautete, beliefen sich die Umsätze von Brau und Brunnen und Radeberger im Jahr 2003 zusammen auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Das wichtigste Standbein bei Oetker ist die Schifffahrt mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2002. Danach folgten bisher die Nahrungsmittel mit 1,3 Milliarden Euro - die Keimzelle des Familienkonzerns. Groß wurde Oetker mit Backpulver.

Der Bielefelder Apotheker August Oetker erfand 1891 das "Backin", sein Enkel Rudolf August begriff es als Geschäftsidee und schmiedete in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einen Weltkonzern, zu dem inzwischen über 300 Firmen mit 19.000 Mitarbeitern gehören. Der Gruppenumsatz belief sich 2002 auf 5,1 Milliarden Euro. Mit der Übernahme von Brau und Brunnen wird Oetker künftig jeden siebten Liter Bier in Deutschland anbieten.

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