Mittwoch, 20. November 2019

Brau und Brunnen Oetker braut sich einen Bierriesen

Der Bielefelder Lebensmittelkonzern treibt die Fusionswelle auf dem deutschen Biermarkt voran. Die Tochter Radeberger soll den Rivalen Brau und Brunnen schlucken. Die HypoVereinsbank ist der lachende Dritte.

Bielefeld/Dortmund/München - Die HypoVereinsbank (HVB) wird ihr Aktienpaket an der Dortmunder Brau und Brunnen AG (Jever, Schultheiss, Sion Kölsch, Tucher Bräu) an die Oetker-Gruppe veräußern. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstagabend mit. Der Bielefelder Lebensmittelkonzern steigt damit zum größten Bierhersteller Deutschlands auf.

Lecker! Die Brau-und-Brunnen-Produkte schmecken auch Oetker
Die Großaktionärin HVB Börsen-Chart zeigen gibt ihren Anteil an Brau und Brunnen Börsen-Chart zeigen in Höhe von 61,73 Prozent für 220 Millionen Euro an Oetker ab. Das entspricht einem Preis von 80 Euro je Aktie. Der Buchgewinn soll bei rund 50 Millionen Euro liegen. Da der Verkauf an verschiedene Bedingungen geknüpft sei, sei offen, ob der Betrag noch in die Erfolgsrechnung im ersten Quartal eingehe, hieß es in Finanzkreisen.

"Wir sind froh, zu einem anständigen Preis verkaufen zu können", sagte ein HVB-Sprecher am Donnerstagabend. Die Münchener Großbank hatte angekündigt, sich im Rahmen ihres tief greifenden Umbaus über kurz oder lang von der Dortmunder Bierbeteiligung zu trennen. Die Oetker-Gruppe beabsichtige, eine Aktienmehrheit von mehr als 75 Prozent des stimmberichtigten Kapitals an Brau und Brunnen zu erwerben, gab die HVB weiter bekannt. Die Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Biermarkt im Umbruch

Oetker avisierte in einer Pflichtmitteilung eine Übernahmeofferte an die übrigen Aktionäre der Brau und Brunnen AG. 80 Euro je Stückaktie bietet der in Familienbesitz befindliche Konzern über seine FuB-Beteiligungs-GmbH. Dem Vernehmen nach sollen Radeberger-Gruppe und Brau und Brunnen künftig nebeneinander unter dem Oetker-Konzerndach agieren. Die Details der Übernahme sollen an diesem Freitag in Frankfurt am Main bekannt gegeben werden.

Die Übernahmewelle auf dem mittelständisch geprägten und zersplitterten deutschen Biermarkt erreicht damit einen weiteren Höhepunkt. Erst vor gut drei Wochen hatte der dänische Brauriese Carlsberg den Kauf von Holsten angekündigt. Der Hamburger Brauer soll zerschlagen werden. Bitburger will die Holsten-Töchter König Pilsener und Licher übernehmen. Die belgische Interbrew stieg binnen drei Jahren durch Zukäufe (Diebels, Beck's, Gilde/Hasseröder, Münchener Spaten) zum Marktführer in Deutschland auf.

Oetker ist mit der Radeberger-Gruppe bisher die Nummer drei in Deutschland nach Interbrew und Holsten. Zu den bekanntesten Produkten zählen die Marken Radeberger, Clausthaler, Schöfferhofer Weizen und Henninger Radler. Neben der Radeberger Exportbierbrauerei gehören der Gruppe auch die Frankfurter Binding-Brauerei AG, die Dortmunder Actien-Brauerei AG, die Berliner Kindl Brauerei AG, die Krostitzer Brauerei GmbH und die Selters Mineralquelle Augusta Victoria GmbH.

Jetzt stellt sich die Standortfrage

Bei Oetker gehen Branchenexperten nun davon aus, dass über die Braustandorte Dortmund und Berlin nachgedacht wird. In beiden Städten betreiben sowohl die Radeberger-Gruppe als auch Brau und Brunnen Brauereien. Oetker könnte Kostenvorteile durch Zusammenlegungen erzielen.

Die Oetker-Gruppe hatte bereits bei der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Sommer Interesse an Brau und Brunnen gezeigt. Damals hieß es, dass es zwischen den beiden Unternehmen Gespräche gebe. Im Dezember waren Verhandlungen zwischen der HVB und dem Finanzinvestor OEP abgebrochen worden. Als Grund für deren Scheitern wurden Kontakten zwischen der US-Beteiligungsgesellschaft One Equity Partner (OEP) und der zur Oetker gehörenden Radeberger-Gruppe genannt.

Ebenfalls im Dezember hatte Radeberger überraschend den Einstieg bei der Stuttgarter Hofbräu verkündet. Dieses Geschäft hatte ein Volumen von 60 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten 2003 war der Umsatz von Radeberger um zehn Prozent auf 621,4 Millionen Euro zurückgegangen.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung