Mittwoch, 22. Mai 2019

Lufthansa Zerbrechlicher Erfolg

Die Lufthansa legt viel versprechende Passagierzahlen vor - und stellt sich selbst ein Bein: Sie erhöht die Preise, notdürftig kaschiert. Ihre verprellten Vertriebspartner wollen klagen. Derweil droht das eigene Personal mit Streik.

Frankfurt/Main - Man könnte den Eindruck bekommen, der Lufthansa Börsen-Chart zeigen geht es zu gut. Kaum werden erfreuliche Zahlen gemeldet, steigen auch schon die Ticketpreise.

Erinnerung an 2001: Der Pilotenstreik setzte die Lufthansa außer Gefecht
Die neuen Tarife sind freilich keine direkte Reaktion auf die guten Passagierzahlen, die heute vorgelegt wurden. "So kann man das nicht sagen", wendet denn auch Amelie Lorenz ein, schon wenn das Stichwort "Preiserhöhung" fällt. Die Sprecherin der Fluglinie benutzt lieber den Begriff "Systemwechsel" und verweist auf die kontinuierlich sinkenden Preise der vergangenen Jahre.

Unwidersprochen sagen kann man, dass die Deutsche Lufthansa geschäftlich an Höhe gewinnt. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2003 konnte sie die Passagierzahlen erstmals seit zwei Jahren steigern, eine Erholung von den Krisen der vergangenen Jahre, die im Zeichen von Terrorismus und der Sars-Epidemie standen. Dieser Trend verspricht sich nun fortzusetzen.

Schwächen in Europa

Dem aktuellen Bericht zufolge verbesserte sich das Passagiergeschäft mit 7,42 Milliarden verkauften Sitzkilometern um sechs Prozent. 3,53 Millionen Passagiere flogen im Januar mit der Kranich-Airline, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. In seltener Einigkeit freuen sich die Analysten: Das Schlimmste hat die Airline hinter sich.

"Doch der Erfolg steht auf wackeligen Beinen", warnt ein Beobachter vor zu viel Euphorie. Manche Hausaufgabe bleibt zu erledigen, die Sorgenkinder Thomas Cook und LSG Catering kränkeln weiter. Auch die Zuwächse fallen regional höchst unterschiedlich aus. So wuchs die Zahl der verkauften Sitzkilometer zwar in Nord- und Südamerika um fast zwölf Prozent auf 2,9 Milliarden. In der Heimatregion Europa dagegen stieg zwar die Zahl der Fluggäste leicht, die Menge der verkauften Sitzkilometer ging aber um 0,3 Prozent auf 1,78 Milliarden zurück - die Billig-Airlines lassen grüßen.

Da ist der "Systemwechsel" im Ticketverkauf ein ungeschicktes Signal. Er wird vor allem von den Kunden bezahlt werden. Zwar gelten die bekannten Preise weiterhin, ab Mitte dieses Monats sind sie aber nicht mehr länger so genannte Bruttopreise, in denen die Provisionen für das Reisebüro bereits enthalten sind. Künftig geht der volle Betrag an die Lufthansa, was einer durchschnittlichen Preiserhöhung von 6,5 Prozent entspricht. Die Reisebüros müssen selbst entscheiden, wie hoch der Betrag sein soll, den sie darauf für Beratung und Ticketbuchung aufschlagen.

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