Freitag, 20. September 2019

Lufthansa Zerbrechlicher Erfolg

2. Teil: "Preisdruck auf Reisebüros abgewälzt"

"Preisdruck auf Reisebüros abgewälzt"

Der Wettbewerb findet also künftig nicht mehr allein zwischen den Airlines, sondern auch zwischen den Reisbüros statt. Erwartungsgemäß wehren die sich heftig. In der kommenden Woche wollen die Mitglieder des Deutschen Reisbüro- und Reiseveranstalterverbands (DRV) drei Tage lang den Verkauf von Lufthansa-Tickets bestreiken. "Die Konzernleitung soll merken, dass sie sich ins eigene Fleisch schneidet", so DRV-Präsident Klaus Laepple gegenüber manager-magazin.de. "Denn im Zweifelsfall wird sich der Berater im Reisebüro doch immer für das Angebot entscheiden, das ihm eine Provision verspricht. Und der Kunde geht ohnehin nach dem Preis."

Der Anfang ist gemacht: Doch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat noch viele Probleme zu lösen, hausgemachte eingeschlossen
Die Lufthansa dagegen hofft auf den markentreuen Passagier, der sich - vielleicht auch dank seiner Miles-and-More-Karte - an die Kranichlinie gebunden fühlt. "Auf lange Sicht wird sich der Systemwechsel ohnehin nicht auf die Lufthansa beschränken", so Konzernsprecherin Lorenz. In den USA sei es seit Jahren üblich, dass Ticketpreis und Vermittlungsgebühr getrennt ausgewiesen werden: "Die Konkurrenz wird folgen", ist sich Lorenz sicher.

"Die Lufthansa erhofft sich mit der Neuerung höhere Ticketeinnahmen, wälzt den Preisdruck aber auf die Reisebüros ab", erklärt Christian Götz, Finanzanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Für die höheren Preise muss sich also der Ticketverkäufer rechtfertigen, nicht die Fluglinie. "Außerdem wäre es ein schöner Nebeneffekt für das Unternehmen, wenn in der Konsequenz mehr Kunden online buchen", meint Götz. Auch keine schöne Perspektive für die Reisebüros.

"Die Mehrheit hat schon zugestimmt"

Die wollen es denn auch nicht beim Streik bewenden lassen, sondern bereiten eine Klage gegen den Konzern vor. Bis zum 14. Februar lässt ihnen die Lufthansa Zeit, den neuen Regelungen zuzustimmen, danach verlieren sie ihre Lizenzen. "Das ist kartellrechtlich nicht zu halten", findet Reisebüro-Präses Laepple. Ihn ärgert vor allem, dass die Lufthansa zu keinen Zugeständnissen bereit ist.

Deren Frankfurter Zentrale verlässt sich auf die Hausjuristen, die das neue System geprüft haben, und gibt sich gelassen. Man hält den Aufruhr wohl eher für einen Sturm im Wasserglas: "Vertriebspartner im Umfang von 60 Prozent unseres Umsatzes haben dem neuen Modell bereits zugestimmt", sagt Lorenz.

"Mehr Arbeit nur für mehr Geld"

Noch in dieser Woche steht weiterer Ärger ins Haus. Wiederum ausgelöst durch Sparmaßnahmen, wiederum mit offenem Ausgang. Am Donnerstag nämlich tritt der Lufthansa-Vorstand in Tarifverhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit und der Flugpersonalgewerkschaft Ufo.

In einer "konzertierten Aktion" der Belegschaft will Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber mehr Arbeit für gleiches Geld. Das kündigte er am Wochenende in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" an. Ufo-Chef Mirco Vorwerk konterte kampfbereit: "Mehr Arbeit ist nur für mehr Geld möglich."

Ein Kompromiss tut Not, um den zerbrechlichen Erfolg weiter päppeln zu können. Sollte es zum Streik kommen, hätte Mayrhuber das Gegenteil erreicht.

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