IG Metall 100.000 neue Jobs?

Mit einem Spitzentreffen wollen die Metall-Tarifparteien nun offenbar den drohenden Streik verhindern. Während Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser sein Modell als Jobmotor preist, bekundet der designierte SPD-Chef Müntefering seine Sympathie für die Position der IG Metall.

Berlin - Mit einem Spitzentreffen wollen die Metall-Tarifparteien nun offenbar den drohenden Streik verhindern. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und IG-Metall-Chef Jürgen Peters schalten sich einem Zeitungsbericht zufolge in der kommenden Woche persönlich in die Verhandlungen im tarifpolitisch maßgeblichen Bezirk Baden-Württemberg ein.

Bei der sechsten Verhandlungsrunde in Böblingen entscheidet sich aller Voraussicht nach, ob es zu einer Einigung kommt oder ob ein Streik bevorsteht. Unterdessen bekundete der designierte SPD-Chef Franz Müntefering seine Sympathie für die Position der IG Metall.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)" haben Kannegiesser und Peters das Spitzentreffen am kommenden Mittwoch vereinbart, um einen Arbeitskampf abzuwenden. Aus beiden Lagern sei zu hören, dass dann "die Weichen gestellt" würden. Ein Gesamtmetall-Sprecher nannte den Pressebericht dagegen "reine Spekulation". Bei der IG Metall war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Für Donnerstag hat die örtliche IG Metall auch ihre Große Tarifkommission einberufen.

"Arbeitskampf würde Aufschwung ersticken"

Kannegiesser sagte der "FAS", "ein Arbeitskampf in dieser labilen wirtschaftlichen Situation würde den Aufschwung in Deutschland ersticken". Der Gesamtmetall-Chef stellte zugleich neue Arbeitsplätze in Aussicht, falls die IG Metall auf die Forderungen der Arbeitgeber eingehe. "Unser Lösungsvorschlag kann bis zu 100.000 neue Jobs für die Metall- und Elektrobranche in den nächsten Jahren bringen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer drohte unterdessen mit einem Eingreifen des Gesetzgebers, sollte sich die IG Metall nicht auf betriebliche Optionen für längere Wochenarbeitszeiten einlassen. "Wenn die IG Metall sich jetzt nicht bewegt, dann wird sie durch politische Eingriffe bewegt werden", sagte Zwiebelhofer der "Welt am Sonntag". Der Gesetzgeber werde es nicht hinnehmen, "wenn die Tarifparteien in den Verhandlungen nur eine Maus gebären".

Woche der Entscheidung

Nach den Warnstreiks der vergangenen Tage, an denen sich bundesweit zehntausende Metall-Beschäftigte beteiligte hatten, stehen Arbeitgeber und Gewerkschaft nach Ansicht Zwiebelhofers nun vor der Woche der Entscheidung. "Jetzt geht es darum, ob wir uns am Verhandlungstisch annähern können oder ob die IG Metall die Situation eskalieren lässt." Für eine Einigung "müssen sich beide Seiten noch einmal gewaltig bewegen".

Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sieht bundesweit einheitlich eine Lohnerhöhung in zwei Stufen um je 1,2 Prozent vor. Die Laufzeit soll bei 27 Monaten liegen. Verknüpft ist die Offerte mit der Forderung nach einem zusätzlichen Tarifvertrag für einen Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden. Die konkrete Arbeitszeit und der Lohnausgleich sollen in freiwilligen Vereinbarungen auf Betriebsebene festgelegt werden.

Die IG Metall verlangt dagegen eine Erhöhung der Einkommen um vier Prozent. Den Arbeitszeitkorridor lehnt die Gewerkschaft strikt ab. Unterstützung erhielt die IG Metall vom künftigen SPD-Vorsitzenden Müntefering. Zwar müssten die Tarifparteien den konkreten Konflikt unter sich ausmachen, sagte er der "Bild am Sonntag". "Aber wer längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich fordert, verlangt damit faktisch eine Lohnkürzung", erklärte Müntefering. Er verstehe, dass die Gewerkschaften an dieser Stelle "allergisch reagieren".

Christian Ponzel, dpa