Parmalat und IG Farben Schweizer Freitag

Für die Schweizer Großbank UBS hätte es ein schwarzer Tag werden können: Der US-Anwalt Ed Fagan hatte angekündigt, heute im Fall IG Farben Klage einzureichen, gleichzeitig wurden die Schweizer Büros des Geldhauses in Mailand untersucht. Doch zur Katastrophe kam es nicht.

New York - Bei einem New Yorker Bezirksgericht ist bisher keine Klage gegen die Schweizer Großbank UBS  eingegangen. Der US-Anwalt Ed Fagan hatte nach Monate langen Ankündigungen behauptet, eine Klage auf Schadenersatz eingereicht zu haben.

Er habe die Klage in Milliardenhöhe im Zusammenhang mit dem einstigen Chemiekonzern I.G. Farben am Mittwoch eingereicht, hatte Fagan noch am Donnerstag erklärt. Eine Sprecherin des Bundesgerichts für den Ostbezirk New Yorks sagte am Freitag, ihr sei von der Klage nichts bekannt.

Hintergrund des Rechtsstreits ist eine frühere Tochtergesellschaft der I.G. Farben, deren Vermögen sich ein Vorgängerinstitut der UBS widerrechtlich einverleibt haben soll. Unklar blieb auch, für wen Fagan die Klage eingereicht haben will.

Die in Medienberichten genannte Aktionärsvereinigung der I.G. Farben darf nämlich laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln im In- und Ausland keine rechtlichen Schritte einleiten.

Fagan, der sich derzeit in Frankfurt aufhält, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein UBS-Sprecher sagte in Zürich, es gebe keine Grundlage für eine Klage. Sollte es dazu kommen, werde sich das Kreditinstitut aber "mit allen Mitteln zur Wehr setzen".

Ein historisches Problem

Strittig ist, ob die seit Ende der 1950er Jahre von der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) kontrollierte Firma Interhandel nach 1945 tatsächlich eine Tochter der I.G. Farben war und damit Ansprüche geltend gemacht werden können. Eine Schweizer Historiker-Kommission hatte 2001 festgestellt, dass ein ausreichender Nachweis nicht zu erbringen sei. Fagan kündigte daher an, neue Dokumente vorzulegen.

Ein Sprecher des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sagte am Freitag, er hoffe zwar, dass eine Klage zum Erfolg führe. Allerdings seien bisher keine neuen Fakten aufgedeckt worden. In jedem Fall müssten Wiedergutmachungen den früheren Zwangsarbeitern der I.G. Farben zu Gute kommen.

Die mit dem Nazi-Regime verflochtene I.G. Farben wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten zerschlagen; daraus gingen unter anderem die Chemiekonzerne Bayer, BASF und Hoechst hervor. Die Überbleibsel sollen seither abgewickelt werden. Immer wieder jedoch setzten Finanzjongleure diese Unternehmenshülle und ihr Vermögen für Geschäfte im eigenen Interesse ein.

... und dann noch Parmalat

... und dann noch Parmalat

Als ob das nicht genug Unbill wäre, ist die UBS nun auch in den Strudel der Parmalat-Ermittlungen geraten. Die italienischen Untersuchungsbehörden haben am Freitag deren Mailänder Büros durchsucht und Dokumente beschlagnahmt, wie aus Justizkreisen verlautete. Die UBS sicherte den Behörden volle Zusammenarbeit zu.

Die Durchsuchung erfolgte nur einen Tag nach der Ankündigung der italienischen Behörden, dass die Parmalat-Ermittlungen auf 15 weitere Personen ausgeweitet würden. Bei der Durchsuchung der UBS-Büros in Mailand seien Dokumente im Zusammenhang mit der Ausgabe einer Parmalat-Anleihe über 420 Millionen Euro durch die UBS im vergangenen Jahr beschlagnahmt worden, sagte ein Ermittler in Mailand. Über eventuelle Verdachtsmomente gegen die UBS lagen keine Angaben vor.

Auch durchsucht: Morgan Stanley und Standard & Poor's

Die italienischen Behörden hätten die Mailänder UBS-Büros wie erwartet besucht, bestätigte UBS-Sprecher Dave Walker auf Anfrage in London. Die UBS werde mit den Behörden zusammenarbeiten. Bislang war die UBS nicht in die Ermittlungen involviert gewesen. Laut früheren Stellungnahmen trägt die Schweizer Großbank im Falle des italienischen Nahrungsmittelkonzerns kein Kreditrisiko.

In den vergangenen Wochen hatten die Ermittler bereits Büros der Bank of America, der Deutschen Bank, von Morgan Stanley und von Standard & Poor's durchsucht. Keines der Institute wurde wegen eines Vergehens angeklagt. Nach Angaben aus Justizkreisen sollen die Durchsuchungen Erkenntnisse darüber liefern, wie weit den Banken und Rating-Agenturen die tatsächliche finanzielle Situation bei Parmalat bekannt war.

Parmalat war im vergangenen Dezember zusammengebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass ein Konto bei der Bank of America über knapp vier Milliarden Euro nicht gedeckt war. Den Ergebnissen der Revisoren zufolge sollen sich die Schulden des Unternehmens auf über 14 Milliarden Euro belaufen. Bislang wurden zehn Personen verhaftet, darunter Firmengründer Calisto Tanzi.