Deutsch-italienische Freundschaft Berlusconi vs. ThyssenKrupp

Weil die Düsseldorfer in ihrer Dependance im italienischen Terni Arbeitsplätze abbauen, schaltet sich sogar Ministerpräsident Berlusconi ein. Aus seiner Sicht aus gutem Grund: Es geht um Wählerstimmen.

Düsseldorf/Hamburg - Mit ungläubigem Staunen beobachtet die Chefetage von ThyssenKrupp  die aktuellen Vorgänge beim Stahlwerk im mittelitalienischen Terni. Erst streikte dort die Belegschaft. Dann legte der komplette Ort aus Protest die Arbeit nieder. Und nun hat auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Terni mit Bundeskanzler Gerhard Schröder telefoniert.

Dabei ist der Vorgang vergleichsweise harmlos. ThyssenKrupp will die dort angesiedelte Produktion von Elektroband schließen. Dieser Spezialstahl wird beim Bau von Elektromotoren eingesetzt, beispielsweise im Transrapid. Weil der Markt dafür aber schlecht ist und die Standorte im nordfranzösischen Isbergues und in Gelsenkirchen billiger sind, gehen in Italien nun die Lichter aus. 450 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die verbleibenden 3550 Stahlkocher der Acciai Speciali Terni (AST) sind nicht betroffen.

Und dennoch gerät die Sache jetzt zum Politikum. Folge: Auf Wunsch von Berlusconi hat der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat die entscheidende Sitzung vom 9. auf den 27. Februar verschoben. "Es sind noch bestimmte offene Fragen zu klären", hieß es zur Begründung. Fragt sich nur, welche. Aus Konzernkreisen erfuhr manager-magazin.de, dass sich an dem Entschluss, die Elektroband-Produktion einzustellen, nichts geändert hat.

Auf Zeit zu spielen ist aus Sicht der Düsseldorfer dennoch sinnvoll, sind die Gründe für den Buhei ums Elektroband doch weniger sozialer als vielmehr politischer Natur. In der Region Umbrien, in der Terni liegt, stehen im Mai Wahlen an. Zugleich ist die ThyssenKrupp-Tochter AST dort der wichtigste Arbeitgeber.

Kein Wunder, dass linke wie rechte Parteien die Vorlage aus Deutschland dankbar aufnehmen, und den Arbeitsplatzabbau zum Wahlkampfschlager machen. Tröstlich für ThyssenKrupp: Sobald Umbrien eine neue Regierung hat, kann die Werkschließung ungestört vollzogen werden.