Arbeitslosenstatistik Jetzt noch besser!

Die Zahlen machen Hoffnung – doch ihre Basis ist trügerisch: Heute hat die Bundesagentur für Arbeit zum ersten Mal seit drei Jahren einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr vermeldet. Mehr Jobs gibt es deshalb nicht. Die Statistiker zählen nur anders als früher.

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar zwar witterungsbedingt um 280.800 auf 4.597.400 gestiegen. Mit 26.400 lag sie damit aber erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Hauptursache für den vergleichsweise geringen Anstieg im Januar ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Donnerstag in Nürnberg, dass die Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden. Damit wurden die Arbeitsmarktdaten erstmals nach einem neuen statistischen Verfahren erhoben, das den Standards der EU angepasst ist.

Unter Berücksichtigung der statistischen Änderungen gab es saisonbereinigt erstmals seit Mai 2003 wieder einen Anstieg der Erwerbslosenzahl, berichtete der Interimschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise. Nominell ging die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl zwar um 81.000 zurück. Ohne den Wegfall der Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen hätte dieser Indikator dagegen um 28.000 zugenommen.

Wirtschaftswissenschaftler: "Zahlen gezielt geschönt"

Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Arbeitslosenstatistik gezielt zu schönen. Hickel sagte dem Radiosender MDR Info, statistische Korrekturen würden immer dann gemacht, wenn Wahlkampf ist. "Da liegt immer der Verdacht nahe, dass hier manipuliert wird und dass Zahlen geschönt werden. Es hat immer den ganz schlechten Geschmack, dass mit Statistiken Wahlkampf betrieben wird."

Doch auch ohne sich so drastisch zu äußern, für zahlreiche Konjunkturforscher den für die Jahreszeit ungewöhnlich stark gebremsten Anstieg der Arbeitslosenzahlen hauptsächlich auf die Korrektur der Statistik zurück. "Mit der Konjunktur hat das überhaupt nichts zu tun", kommentierte der Arbeitsmarktexperte beim Kieler Weltwirtschaftsinstitut, Rainer Schmidt, die nackten Zahlen. Bereinigt um die statistische Änderung gebe es mehr Arbeitslose als 2003.

Verdrängung per Daumenschraube

Hinzu kämen schwer einschätzbare Wirkungen der "Daumenschrauben-Offensive" der Arbeitsämter. Sie habe in den vergangenen Monaten mehrere hunderttausend Arbeitslose aus der Statistik gedrängt, weil sich diese nach Einschätzung der Vermittler nicht ausreichend intensiv um einen neuen Job bemühten.

Die von der Deutschen Bundesbank berechnete, von saisonalen Effekten bereinigte Arbeitslosenquote fiel von 10,4 Prozent im Dezember auf 10,2 Prozent im Januar. In Westdeutschland stieg die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Januar um 176.900 auf 2.927.200. Das waren 28.600 mehr als zu Beginn des vergangenen Jahres. In Ostdeutschland wurden im Januar 1.670.200 Erwerbslose gezählt. Das waren 105.400 mehr als im Dezember 2003, aber 55.000 weniger als vor einem Jahr.

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