Mannesmann-Prozess Die Hintermänner im Zeugenstand

In der Übernahmeschlacht mit Vodafone kämpften Dietrich Becker und Colin Roy Seite an Seite mit Mannesmann-Chef Klaus Esser. Am Freitag sagen die beiden Investmentbanker vor dem Landgericht Düsseldorf als Zeugen aus.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Als der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser im Sommer 1998 das so genannte "Projekt Friedland" ins Leben rief, um jederzeit eine feindliche Übernahme verhindern zu können, war von Anfang an auch Dietrich Becker mit dabei. Der mittlerweile 40jährige Investmentbanker, dessen Arbeitgeber Morgan Stanley  Mannesmann schon bei der Übernahme von Orange  beraten hatte, war dabei als Teamleiter einer der maßgeblichen Strippenzieher im Übernahmekampf.

"Natürlich haben wir auch Vodafone  durchgespielt", wies Becker einige Tage nach der Niederlage von Mannesmann in einem Interview mit der "Welt" die Schuld von sich. "Vivendi  war entscheidend", so sein kurzes Fazit. Nur schwer konnte er verbergen, dass es einem Investmentbanker zwar offiziell nur um den Kunden geht, aber immer auch der persönliche Kick eine gewichtige Rolle spielt. "Wir hatten ein unglaublich großes Spielfeld vor uns", schwärmte Becker, der während der Übernahmeschlacht Frau und Kinder in London nur sporadisch gesehen hatte.

Auch Jahre nach der Mannesmann-Niederlage ist "Essers Schattenmann" ("Handelsblatt"), der, bevor er bei Morgan Stanley begann, für die Deutsche Bank arbeitete, ein gefragter Übernahmeexperte. Wie schon zu Zeiten der Vodafone-Attacke diktiert der Absolvent der Stern Business School (MBA-Jahrgang 1991) den Journalisten die Binsenweisheiten seiner Branche in die Blöcke. "Ich erwarte bald eine Zunahme von Übernahmen" oder "nach meiner Erfahrung kann man sich nicht auf einen Großaktionär verlassen", zitierte ihn die "Wirtschaftswoche" im vergangenen Herbst nichts sagend. Bei Brigitte Koppenhöfer, der Vorsitzenden Richterin im Mannesmann-Prozess, dürfte Becker mit solchen Platituden nicht davonkommen.

Ein Schotte in Frankfurt

Das Gleiche gilt für den ebenfalls am Freitag als Zeugen geladenen Colin Roy, der neben Becker, Werner Pfaffenberger (J.P. Morgan Chase ) und Christian von Thun-Hohenstein (Deutsche Bank ) während der Schlacht mit Vodafone für seinen damaligen Arbeitgeber Merrill Lynch  im Esser-Team saß.

Der als Sohn eines schottischen Missionars in Afrika aufgewachsene Roy - sein Studium absolvierte er an der Universität Edinburgh - wechselte bereits ein halbes Jahr nach der Niederlage mit Mannesmann von Merrill Lynch, wo er zuletzt Co-Head für das Investmentbanking in Deutschland war, als Partner zu Greenhill & Co. In Deutschland ist Greenhill zwar nicht ganz so bekannt, das Bankhaus mit Büros in New York, London und Frankfurt beriet aber zum Beispiel Wella  bei der Übernahme durch Procter & Gamble  und hatte auch seine Finger bei der Übernahme von Wasserstein Perella durch die Dresdner Bank im Sommer 2000 im Spiel.

Der 41jährige Roy, der seine Karriere 1984 bei Barclays  begann, lebt mit seiner Familie im noblen Taunusstädtchen Königstein vor den Toren Frankfurts. Dem Prozess auch ohne die im Saal anwesenden Dolmetscher zu folgen, dürfte für ihn daher kein Problem sein. Auch mit den Tiefen der deutschen Bürokratie ist er bestens vertraut. Im Dienste seines damaligen Arbeitgebers S.G. Warburg verkaufte er 1991 zusammen mit Piers von Simson im Auftrag der Treuhandanstalt 33 Häuser des DDR-Reliktes Interhotel. Im Gegensatz zum Engagement bei Mannesmann übrigens sehr erfolgreich, konnte der ursprünglich von der Treuhand taxierte Kaufpreis von gut 1,5 Milliarden Mark doch binnen weniger Monate auf beachtliche 2,54 Milliarden Mark hochgetrieben werden.

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