Fall Parmalat Für die Banken wird es ernst

Die Durchsuchungen in der vergangenen Woche waren nur ein Vorgeschmack: Jetzt ermitteln die italienischen Behörden in dem Milliardenskandal offiziell gegen italienische und internationale Geldinstitute. Die Deutsche Bank soll auch dabei sein.

Rom - Im Skandal um den insolventen Lebensmittelkonzern Parmalat sollen jetzt auch offizielle Ermittlungen gegen Mitarbeiter mehrerer italienischer und internationaler Banken eingeleitet werden.

Dies berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf italienische Justizkreise. Unter den Verdächtigen sei auch Massimo Armanini, leitender Investmentbanker der Deutschen Bank in Italien. Außerdem soll dem Bericht zufolge gegen Mitarbeiter von Citigroup, Bank of America, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Capitalia, Nextra und Banca Popolare di Lodi ermittelt werden.

Die Banker würden verdächtigt, schon lange vor dem Konkurs über die wahre finanzielle Lage des Milch-Riesen informiert gewesen zu sein. Die möglichen Vorwürfe reichen von Kursmanipulation über die Weitergabe falscher Informationen bis hin zur Beihilfe zum betrügerischen Bankrott.

Armanini war zwischen 1998 und 2000 Chef der Nordamerika-Aktivitäten von Parmalat und soll besonders enge Beziehungen zur Familie des festgenommenen Parmalat-Gründers Calisto Tanzi gehabt haben. Aus Verhören Tanzis und mehrerer seiner Mitarbeiter gehe hervor, dass sich diese Beziehungen vor allem in der zweiten Jahreshälfte noch intensiviert haben.

Die Staatsanwaltschaft von Mailand, die in dem Fall ermittelt, hatte bereits vor drei Wochen Vertreter der Deutschen Bank aus London angehört. Im Mittelpunkt des Interesses steht eine Anleihe von 350 Millionen Euro, die das Geldinstitut im September für Parmalat aufgelegt hatte.

Die Staatsanwälte wollen auch wissen, warum die Bank noch im November ihren Anteil an Parmalat von 2,5 auf 5,1 Prozent verdoppelt hatte, obwohl der Konzern bereits vor der Insolvenz stand. Die Deutsche Bank hat allerdings stets betont, dass es sich hierbei um ein Wertpapier-Anleihegeschäft im Auftrag eines Kunden gehandelt habe.

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