Tchibo Der Ruhm, die Schweine und die Korkenzieher

Tchibo-Kaffee kann man schon seit einiger Zeit in Polen, Tschechien und Ungarn kaufen. "Jede Woche eine neue Welt", das ständig wechselnde Gebrauchswarenangebot, haben aber bisher nur Deutsche, Engländer, Österreicher und Schweizer. Nun treibt Vorstandschef Dieter Ammer die Pläne, Korkenzieher und Badetücher auch in Osteuropa anzubieten, weiter voran.
Von Anne Klesse

Hamburg - Die Luft schien zu stehen im Unterdeck des Hamburger Museumsschiffes Rickmer Rickmers, wo sich der Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten versammelt hatte. Immer mehr Stühle wurden aus dem Nebenraum herangeschafft und bis dicht an die hölzerne Rückwand gereiht. Ein hochkarätiger Gast wurde auf dem schwimmenden Wahrzeichen der Hansestadt erwartet: Dieter Ammer, der neue Tchibo-Vorstandschef. Nach acht Monaten, in denen er weitgehend im Verborgenen gewirkt hatte, stellte er sich erstmals der Presse.

Die Erwartungen an den Finanz- und Markenexperten, der seit seiner Zeit beim Bierbrauer Beck als Mann für schwierige Übernahmen und Eigentümerstrukturen gilt, waren hoch. Doch trotz Nachbohrens ließ sich der redegewandte Bremer keine Details über die Expansion von Tchibo nach Osteuropa entlocken.

Seit den 90er Jahren gibt es Tchibo-Kaffee auch in Polen, Rumänien, Russland, Tschechien, der Slowakei, der Ukraine und Ungarn. Nun will der Konzern neben Kaffee auch mit seinen Gebrauchsartikeln - Slogan: "Jede Woche eine neue Welt" - gen Osten ziehen. In welchem der Beitrittsstaaten das Hamburger Traditionsunternehmen in den nächsten Monaten einen Testlauf starten will, ist aber noch geheim.

Zwar fühle er sich in einer solch "familiären Vertrauensrunde" gut aufgehoben, witzelte Ammer blendend gelaunt, doch mehr sagte er nicht. Wie manager-magazin.de nun aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird Tchibo in diesem Jahr mit den renditestarken Gebrauchsartikeln die Märkte in Polen und Tschechien testen.

Auf Anfrage verwies Unternehmenssprecherin Stefanie von Carlsburg lediglich auf die Bilanzpressekonferenz im Mai/Juni. Gegenüber manager-magazin.de ließ sie erkennen, dass ein Testlauf in Tschechien geplant werde, Polen sei allerdings "eher eine Vermutung". Die Vorbereitungen für die Sortimentsausweitung in Tschechien finden in den nächsten Wochen statt.

Bereits 1992 hatte Tchibo - ein Jahr nach dem Markteintritt in der damaligen Tschechoslowakei - die Rösterei Balírny obchodu in Jihlava im heutigen Tschechien übernommen. Der Kaffeeröster ist mit Tchibo und der lokalen Marke Jihlavanka inzwischen Marktführer. Auch in Polen ist Tchibo seit zwölf Jahren vertreten und hat sich mittlerweile zum größten Kaffeeproduzenten gemausert.

Tchibo ist nach eigenen Angaben der fünftgrößte Kaffeeproduzent der Welt und mit 27 Prozent Marktführer bei Röstkaffee in Deutschland sowie in Österreich, Ungarn, Polen und Tschechien. Das Unternehmen, das 2002 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erwirtschaftete, hat 2003 nach Ammers Worten weiter kräftig zugelegt.

Allen Erfolgsmeldungen zum Trotz halte er doch weiterhin an seinem Motto fest: "Fürchte den Ruhm wie die Schweine das Dickwerden".