Aventis Am liebsten allein

Der deutsch-französische Konzern Aventis führt derzeit noch keine Fusionsverhandlungen mit einem anderen Pharmaunternehmen, um die feindliche Offerte von Sanofi abzuwehren. Ob Aventis es aber alleine schafft, ist fraglich.

Hamburg/Straßburg - Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis  kann sich offenbar auch europäische und amerikanische Großkonzerne als Verhandlungspartner vorstellen, um einer feindlichen Übernahme durch den französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo  zu entgehen.

Die "Financial Times Deutschland" schreibt am Montag unter Berufung auf einen Teilnehmer einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand von Aventis , der Vorstand habe unter anderem Novartis , GlaxoSmithKline , Johnson & Johnson  sowie Pfizer  als mögliche Kandidaten genannt. Sanofi hatte vor einer Woche rund 48 Milliarden Euro für Aventis geboten.

Noch keine konkreten Gespräche

Es gebe allerdings noch keine konkreten Gespräche zwischen Aventis und den Branchenriesen, die mit einem Gegenangebot den unerwünschten Übernahmebewerber Sanofi ausstechen könnten, schreibt die Zeitung weiter. Aventis wolle am liebsten alleine weiterarbeiten.

Fusionsverhandlungen mit einer dritten Firma seien die zweitbeste Lösung, sagte der Sitzungsteilnehmer dem Blatt. Aventis selbst habe die genannten Namen zunächst nicht kommentieren wollen. "Stand-alone ist das, was Aventis bevorzugt. Aber wir prüfen verschiedene Szenarien", erklärte ein Unternehmenssprecher lediglich gegenüber der Zeitung.

Gegenangebot hat nicht höchste Priorität

Ähnlich hatte sich bereits Aventis-Chef Igor Landau geäußert. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand beauftragt, alle Szenarien zu prüfen, hatte Landau der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärt. "Ein Gegenangebot hat derzeit nicht die höchste Priorität", wurde Landau weiter zitiert.

Die britische Zeitung "Business" hatte am Wochenende berichtet, die beiden Pharmakonzerne Pfizer  und Novartis  arbeiteten bereits an konkreten Gegenangeboten für Aventis. Dabei würden sie als so genannte "Weiße Ritter" auftreten. Erwogen werde sogar ein Angebot für Sanofi, hießt es in dem Bericht.

Die Kritik institutioneller Anleger am Angebot von Sanofi für Aventis nimmt indes zu. In einer Studie der US-Investmentbank Lehman Brothers wird nicht nur der gebotene Preis als zu niedrig bezeichnet, auch die strategische Logik hinter dem Vorschlag von Sanofi-Chef Jean-François Dehecq überzeugt die Banker nicht.

Aventis will sich weiter von Randgeschäften trennen

Am Montag teilte Aventis darüber hinaus mit, der Konzern halte an seinem Plan fest, bis zum Jahresende alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten zu verkaufen. Die Europäische Kommission habe entschieden, dass Aventis statt des 15,3-prozentigen Anteils an der Rhodia SA auch die 49-prozentige Beteiligung an der Wacker-Chemie GmbH verkaufen dürfe, um die Auflagen aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc, aus der Aventis hervorgegangen ist, zu erfüllen.

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