Parmalat Die vermögenswirksame Leistung der Familie Tanzi

Gestern noch soll Parmalat-Patron Tanzi seine Gefängniswärter um Geld für einen Espresso angeschnorrt haben. Heute wird gemeldet, dass der Familienclan keineswegs blank ist. Die Tanzis haben ihr Aktienpaket demnach bereits im vergangenen Jahr bei der Deutschen Bank gegen einen Kursverfall abgesichert.

Mailand - Parmalat-Gründer Calisto Tanzi und Familienmitglieder haben sich rechtzeitig vor dem Kursverfall der Aktien geschützt. Wie die internationale Ausgabe der "Financial Times" berichtet, hatte die Familie einen Gutteil ihres Aktienpakets an Parmalat mittels Put-Optionen geschützt.

Das so genannte Hedgen der Aktien gegen Kursverfall funktioniert, weil die Puts in dem Moment, in dem die Aktien zu sinken beginnen, proportional wesentlich stärker steigen - sie können so wie eine Art Versicherung in schlechten Zeiten wirken.

Ein mit "La Coloniale" verzweigtes Unternehmen hatte die "Collar" genannte Put-Variante im vergangenen August geordert, schreibt die "FT". "La Coloniale" ist die Holding der Familie Tanzi, die im Besitz von 51 Prozent an Parmalat ist. Die Zeitung zitiert Informanten aus Mailand, nach denen die Deutsche Bank den "Collar" ausgegeben hat. Die Bank gab dazu keinen Kommentar. Wie viel Geld die Tanzis durch den Hedge trotz des Parmalat-Kursverfalls retten konnten, ist nicht bekannt.

Bondi will schnellen Kredit über 150 Millionen

Die Zukunft des Unternehmens bleibt derweil ungewiss. Der neue Parmalat-Chef und Insolvenzverwalter Enrico Bondi hat von den Gläubigerbanken des Konzerns Kredite in Höhe von 150 Millionen Euro gefordert.

Der Konzern benötige das Geld möglichst innerhalb einer Woche, um die Produktion fortsetzen und die Mitarbeiter bezahlen zu können, sagte Bondi nach Angaben der Zeitung "La Republica".

Es gilt auch, die Stilllegung von Produktionswerken im Ausland zu verhindern. Insbesondere in Südamerika könnten die Lieferanten ihre Milchverkäufe an Parmalat einstellen, weil der Konzern mit seinen Zahlungen in Verzug geraten ist. Die rund 20 Banken hätten Bereitschaft signalisiert, den Forderungen entgegenzukommen. Es sei aber unklar, in welchem Umfang sich jedes einzelne Geldinstitut an der Rettung des Milch-Riesen beteiligen wird, berichtet die Zeitung.

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