Aventis "Abwehrkampf wird Monate dauern"

Aventis-Chef Igor Landau hat das Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo als "lächerlich" zurückgewiesen. Sanofi müsste die Offerte schon um 40 bis 50 Prozent erhöhen, meint Landau. Er bereitet sein Unternehmen auf einen "monatelangen Kampf" vor.

Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis  hat seine Ablehnung des feindlichen Übernahmeangebots des Konkurrenten Sanofi-Synthélabo bekräftigt.

Auch eine Erhöhung des Sanofi-Angebots um 10 bis 15 Prozent wäre unzureichend, sagte Aventis-Chef Igor Landau am Donnerstag dem französischen Rundfunksender Europe1. Sanofi sei in Schwierigkeiten und brauche daher Aventis. Aventis dagegen brauche Sanofi nicht.

Sanofi hatte am Montag eine Übernahmeofferte im Volumen von derzeit rund 46 Milliarden Euro vorgelegt, die vom Aventis-Management umgehend als zu niedrig zurückwiesen wurde.

"Erst bei Prämie von 50 Prozent interessant"

Für Aventis wäre das Übernahmeangebot seines französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo erst bei einer Erhöhung um 40 oder 50 Prozent interessant, sagte Landau. Selbstbewusst sagte der Aventis-Chef weiter, man verfüge über Mittel, um die Übernahme durch Sanofi scheitern zu lassen. Ein Gegenangebot für Sanofi sei dabei allerdings keine bevorzugte Möglichkeit.

Aventis-Präparat Telfast: Antiallergikum

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Aventis-Präparat Lovenox: Thrombose

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Aventis-Präparat Taxotere: Krebs

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Sansyn-Präparat Aprovel: Bluthochdruck

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Sansyn-Präparat Plavix: Herzinfarktprophylaxe

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Sansyn-Präparat Stilnox: Schlafmittel

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Blockbuster: Umsatzstarke Medikamente von
Aventis und Sansyn (untere Reihe) und deren Anwendung

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Derzeit hält Landau eine so starke Aufstockung des Übernahmeangebots offenbar für unwahrscheinlich. In seiner Ablehnung erhielt er die Rückendeckung des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium habe die Bedingungen des Angebotes in einer Sitzung am Mittwochabend geprüft, teilte Aventis mit, und sei einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass die Offerte nicht im besten Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter von Aventis sei.

Aufsichtsrat stützt Ablehnung - "Konzern unterbewertet"

Der Aufsichtsrat empfahl daher den Aktionären, das feindliche Übernahmeangebot zurückzuweisen. "Der Aventis-Aufsichtsrat unterstützt die Ablehnung dieses Angebotes durch den Vorstand. Weiterhin haben wir den Vorstand beauftragt, alle Szenarien zu prüfen, die für Aktionäre und Mitarbeiter bessere Perspektiven bieten", erklärten die Aufsichtsratschefs Jürgen Dormann und Jean-René Fourtou.

Aventis wolle nun die Investoren davon überzeugen, dass der Konzern unterbewertet sei und die Kraft habe, selbst zu expandieren, verlautete aus Kreisen des Aufsichtsrates. Um den Aktienkurs zu beflügeln, sollen in der kommenden Woche Informationen zu den Medikamenten veröffentlicht werden, die bei Aventis gerade in Vorbereitung sind.

Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq schloss unterdessen eine Aufstockung des Übernahmegebots nicht aus. Entsprechende Spekulationen habe Dehecq aber nicht kommentieren wollen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Übernahmeschlacht könnte Monate dauern

Nach der einstimmigen Rückendeckung durch seinen Aufsichtsrat hat Aventis-Chef Igor Landau den Pharmakonzern auf einen monatelangen Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch Sanofi eingeschworen. Die Suche nach einem "Weißen Ritter" sei dabei eine Möglichkeit, sagte Landau am Donnerstag.

Doch bevorzuge er weiter "das organische Wachstum von Aventis, so wie es heute besteht". Die IG BCE und die französische CFDT-Gewerkschaft machten gemeinsam Front gegen Sanofi. Landau nannte das 48-Milliarden-Euro Angebot des französischen Konkurrenten "lächerlich".