Mannesmann-Prozess Nervenkrieg

Auch im zweiten Teil seiner Ausführungen griff Klaus Esser die Staatsanwaltschaft scharf an – und konnte damit punkten. Zwar kassierte er eine Rüge der Richterin, provozierte aber gleichzeitig eine verbale Entgleisung der Staatsanwaltschaft.
Von Arne Stuhr

Düsseldorf - "Wir haben Sie jetzt verstanden, Herr Doktor Thomas!" Entnervt fiel Staatsanwalt Dirk Negenborn dem Verteidiger Klaus Essers, Sven Thomas, ins Wort. Dieser hatte am dritten Verhandlungstag wiederholt darauf hingewiesen, dass sein Mandant Esser weder auf Fragen noch auf Anregungen der Staatsanwaltschaft eingehen werde.

Offenbar ein Wirkungstreffer für Thomas. Er hatte die Ankläger das erste Mal aus der Reserve gelockt.

Dabei hatte Ex-Mannesmann-Chef Esser sie die ganze Sitzung über scharf angegriffen und ihnen sogar indirekt unterstellt, den Unterschied zwischen Sommer- und Winterzeit nicht verstanden zu haben.

Erst eine Rüge Koppenhöfers stoppte Essers Verbalattacken. Inhaltlich rückte er aber in der anschließenden temporeichen Befragung durch die Vorsitzende nicht von seiner Position ab.

Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, in der Übernahmeschlacht "die Figur eines Herrschers" eingenommen zu haben, wies er vehement zurück. Bei oberflächlicher Betrachtung drängte sich an diesem Mittwoch im Düsseldorfer Landgericht schon eher das Bild vom Tausendsassa Esser auf. Nach eigenen Angaben fungierte er in den entscheidenden Präsidiums-Sitzungen sogar als Dolmetscher zwischen Chris Gent und Klaus Zwickel.

Doch auch auf Seiten der Verteidiger war es mit der Contenance nicht mehr weit her. "Da sitzt er, der Verantwortliche!" Sven Thomas deutete mit dem Finger auf die Staatsanwälte. Nicht minder aggressiv, hatte doch die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer zuvor ihn als auch Dirk Negenborn zur Mäßigung gemahnt. Sie wird den Nervenkrieg nicht ganz unterbinden können: "Keine Polemik, bitte." Trotz allem, ein Punktsieg für Esser.

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