Mannesmann-Prozess Keine Lernkurve bei der Deutschen Bank

Nach Eröffnung des Gerichtsverfahrens ist das Ansehen der Deutschen Bank im Spiegel der Medien stark gesunken. In der Bankersprache wäre das mit dem Debakel einer Eigenkapitalrate unter 5 Prozent vergleichbar. In solchen Fällen ziehen Banker die Reißleine. Warum sollten sich Journalisten anders verhalten?
Von Roland Schatz

Bonn - Deutlich oberhalb der Wahrnehmungsschwelle haben die deutschen und internationalen Meinungsführermedien dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank , Josef Ackermann, ihre Bewertung seines Auftritts vor dem Düsseldorfer Gericht in das Stammbuch diktiert: "Arrogant" lauteten noch die diplomatischen Kommentare.

In den Schweizer Sonntagsmedien wurden seitenlange Psychoprofile gedruckt, warum ihr Landsmann glaube, die Regeln der Kommunikation sowie der Bildersprache ignorieren zu können.

Doch der Aufschrei in den Medien scheint noch zu milde gewesen zu sein, denn gestern zündete Ackermanns Anwalt die nächste Bombe: Michael Jackson habe sein Mandant imitieren wollen, als er die Hand zum Siegeszeichen hob - nicht den englischen Premier Winston Churchill.

Ein Blick auf die kontinuierliche und umfassende Analyse des Medien Tenor  ergibt folgerichtig, dass am Wochenende von den ausgewählten Meinungsführermedien nur noch Kritik oder neutrale Berichterstattung überwog, aber keine positiven Stellungnahmen.

Dabei zeigt die Agenda-Setting-Forschung, dass insbesondere das "Third-Party-Endorsement" in Krisen nahezu der einzige Weg ist, um überhaupt eine Chance beim Ringen um die kommunikative Hoheit über die diversen Stammtische zu haben.

Doch genau an dieser Stelle rächt sich das jahrelange Verweigern, Journalisten als Partner und nicht als Erfüllungsgehilfen zu begreifen: Der "Share of Voice" der Deutschen Bank ist schon lange nicht mehr auf dem Mindestniveau von 35 Prozent aller in den Meinungsführermedien über die Deutsche Bank verbreiteten Informationen.

Aus Bankersicht ist dies ungefähr mit einer Eigenkapitalrate von unter 5 Prozent zu vergleichen: Da ziehen die Ackermanns dieser Welt in allen Banken die Reißleine. Warum sollten Redakteure sich anders verhalten?

Inzwischen nähert sich das Medienimage der Deutschen Bank dem von Bremer Vulkan , Holzmann oder der Deutschen Bahn auf dem Höhepunkt der Abwanderung ihrer Kunden zu den Billigfluggesellschaften.

Mit einem Saldo von minus 49 Prozent bei nur noch 6 Prozent positiver Beiträge läuft die Bank Gefahr, sich immer stärker mit Themen in das Gedächtnis potenzieller Kunden und Mitarbeiter einzubrennen, die das unmittelbare Geschäft tangieren:

Der Kirch-Prozess könnte den Ertrag eines ganzen Jahres kosten, die Polizei durchforstet in Italien Büros der Deutschen Bank und Ackermanns Anwalt Klaus Volk diktiert den Journalisten in den Block, Ackermann beliebe mit Michael Jackson zu scherzen. Das wird sicher einen Motivationsschub im eigenen Haus verursachen ...

* Medien Tenor , das Institut für Medienanalysen mit Sitz in Bonn, untersucht seit 1994 täglich den Politik- und Wirtschaftsteil der tonangebenden deutschen Tageszeitungen, Wochenmedien und TV-Nachrichten.

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