Parmalat Razzien bei Deutscher Bank & Co.

Mit Herzschmerzen wurde der inhaftierte Gründer des Milch-Imperiums, Calisto Tanzi, in ein Krankenhaus verlegt. Im Konzern feuerte der neue Chef Bondi unterdessen das komplette, zehnköpfige Topmanagement, und die Finanzpolizei setzte ihre Razzien bei prominenten Adressen in Mailand fort.

Mailand/Frankfurt - In der Finanzaffäre um den italienischen Milch-Riesen Parmalat Finanziaria SpA  sind auch die Büros der Deutschen Bank  in Mailand durchsucht worden.

Die italienischen Behörden hätten die Büros "besucht", bestätigte die Deutsche Bank in Frankfurt am Main eine entsprechende Meldung der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Das Kreditinstitut unterstütze die Behörden "bei ihrer anhaltenden Bitte um Informationen", erklärte ein Sprecher.

Erst am Vortag hatte die italienische Finanzpolizei die Büros der US-Ratingagentur Standard & Poor's durchsucht. Auch die Mailänder Büroräume der US-Bank Morgan Stanley und der zur italienischen Großbank Banca Intesa gehörenden Nextra wurden gefilzt.

Suche nach Kaufempfehlung für Pleite-Kandidat

Gefahndet wurde nach Dokumenten, die mit einer Parmalat-Anleihe aus dem vergangenen Jahr im Zusammenhang stehen. Die Staatsanwälte wollen herausfinden, ob die Banken bereits über die kritische finanzielle Situation bei Parmalat informiert waren, bevor sie durch die Emission und die anschließende Rücknahme der Anleihe (Volumen: 300 Millionen Euro) Anleger in die Irre geführt haben könnten.

Bei den Ermittlungen geht es um die Frage, bei wem Parmalat-Anleihen platziert wurden und ob Analysten Kaufempfehlungen für Parmalat-Aktien gaben, obwohl sie schon über die Finanzprobleme des hoch verschuldeten Lebensmittelkonzerns informiert waren. Parmalat meldete vor vier Wochen Konkurs an, nachdem ein Bilanzloch von mindestens zehn Milliarden Euro entdeckt worden war.

Der wegen des Bilanzskandals in Mailand inhaftierte Firmengründer Calisto Tanzi ist wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Verlegung Tanzis von der Haftanstalt in das Mailänder Fatebenefratelli-Hospital sei vorsorglich erfolgt, hieß es am Freitag aus Justizkreisen. Der Ex-Chef von Parmalat habe im San-Vittore-Gefängnis über ein Kribbeln im Arm geklagt, was auf schwerwiegende Herzprobleme hindeuten könne.

Drei Sprosse der Tanzi-Familie müssen gehen

Drei Sprosse der Tanzi-Familie müssen gehen

Erst vor zehn Tagen hatten zwei von der Mailänder Justiz bestellte Experten Tanzi trotz seiner Herzschwäche bescheinigt, einem Gefängnisaufenthalt gewachsen zu sein. Als Bedingung hatten die Mediziner jedoch das Vorhandensein einer Klinik in der Haftanstalt genannt.

Der mit der Sanierung des insolventen Konzerns beauftragte Manager Enrico Bondi hat unterdessen das alte Führungsteam des Unternehmens komplett entlassen. Zehn Spitzenmanager, die als enge Mitarbeiter des festgenommenen Konzerngründers Calisto Tanzi galten, mussten gehen, berichtete die Turiner Zeitung "La Stampa".

Auch drei Mitglieder der Gründer-Familie, darunter Tanzis Sohn Stefano, mussten ihren Posten im Verwaltungsrat aufgeben. "Ihre Namen werden nie wieder mit dem Namen des Konzerns in Verbindung stehen", hieß es.

Bondi nennt die Namen der neuen Manager nicht

Neben seinem Verwaltungsratsposten habe Stefano Tanzi auch seine Führungspositionen bei den Tochterunternehmen in Kanada, Südafrika und Australien aufgegeben.

Bondi will die wichtigsten Posten bei Parmalat jetzt mit eigenen Männern besetzen und so auch das angeschlagene Image des Unternehmens aufbessern.

Der Parmalat-Zusammenbruch gilt als einer der größten Finanz- Skandale in der europäischen Unternehmensgeschichte. Insgesamt klafft ein Bilanzloch von 10 bis 13 Milliarden Euro in den Büchern. Neben Calisto Tanzi sitzen mittlerweile auch zehn seiner Mitarbeiter in Haft.

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