Mannesmann-Prozess Rollenspiele

Hatten die sechs Angeklagten am ersten Prozesstag noch hinter ihren Verteidigern Deckung gesucht, nahmen sie am Donnerstag - soweit gewollt - erstmals persönlich zu den Vorwürfen Stellung. Perfekt spielten dabei alle Beschuldigten ihre mit den Anwälten besprochenen Rollen.
Von Arne Stuhr

Düsseldorf - Den Auftakt unter den Vortragenden am Düsseldorfer Landgericht machte am Donnerstag Joachim Funk. Mit gewohnt sonorer Stimme gab Funk den alten Fahrensmann und zog dabei stets Bilder aus dem Militärischen heran: Schlachtfeld, Truppenübungsplatz, Belagerung et cetera.

Klaus Zwickel stellte sein Lebenswerk in den Mittelpunkt des Vortrags. Nach 50 Jahren im Dienst der Arbeitnehmer hätte er es sich nicht träumen lassen, zum Abschluss seines Berufslebens als Angeklagter vor einem Strafgericht stehen zu müssen. Begriffe wie "harte Arbeit" und "Prellbock" sollten das Bild vom standhaften Gewerkschafter untermauern.

"Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse gemacht - käuflich war ich nie", so sein pathetisches Fazit. Scharf wurde Zwickel gegenüber der Staatsanwaltschaft, indem er der Anklage unterstellte, "mit Verlaub, zu naiv zu argumentieren". Sie hätten keine Ahnung von innerbetrieblichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmervertretern und der Chefetage.

Die Randfiguren festigten ihre Position

Die Angeklagten Jürgen Ladberg und Dietmar Droste konnten ihre Positionen als Randfiguren festigen. Ladberg gab nur ein kurzes Statement ab, Droste schwieg zur Sache gänzlich. Lediglich die Anwälte der beiden machten knappe Ausführungen.

Danach erhob sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von seinem Platz. Er führte das Zustandekommen des Prozesses zum großen Teil auf die aktuelle Diskussion über Managergehälter zurück. Schlagzeilen wie "60 Millionen und tschüss" hätten den Mannesmann-Prozess mit initiiert. Darüber hinaus gab der Schweizer ganz den Investmentbanker von Welt, der die gigantische Steigerung der Marktkapitalisierung von Mannesmann hervorhob.

Die Prämien an das Management für diese Leistung waren aus Ackermanns sicht beinahe "rechtlich geboten". Unverständlich sei ihm, dass die Staatsanwaltschaft diesen zentralen Punkt in ihrer Klageschrift nicht ausreichend gewürdigt habe. "Wer Zeit verliert, verliert den Wettbewerb", verteidigte Ackermann die Entschlüsse im Mannesmann-Aufsichtsrat, von denen er zugab, dass sie zum Teil sehr schnell gefasst wurden.

Der Nachmittag gehörte dann Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Der gelernte Jurist agierte kämpferisch und wurde zum Ankläger der Anklage. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, ein "Reich der Verleumdung" aufzubauen.

Um dieses "Zerrbild" als "Kampagne" zu entlarven legte er detailliert alle Phasen der Übernahmeschlacht aus seiner Sicht dar. "Es gab keinen Sinneswandel", wies Esser die Behauptung zurück, jemals nicht im Interesse des Unternehmens gehandelt zu haben. Den Vorwurf, sich selbst bereichert zu haben, nannte er "bösartig". Wie es zu den Prämien kam, die unter anderem an ihn gezahlt wurden, wird Esser in der kommenden Woche darlegen.

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