Mannesmann-Prozess Stimmungsbarometer

Ein Prozess, drei Meinungen: Das Management, die Justiz und die Anleger ringen in dem Super-Prozess um die deutsche Unternehmenskultur. Die Argumente könnten verschiedener nicht sein. Was ist Ihre Meinung? Stimmen Sie jede Woche mit ab!

Hamburg - Drei Positionen prallen im Mannesmann-Prozess aufeinander: Die Finanzwelt belächelt die Provinzialität der Behörden und fürchtet Schaden für den Standort Deutschland. Die Justiz kämpft gegen den Totalverlust von Maß und Recht. Und die Anleger pochen darauf, dass die Mannesmann-Übernahme einem Managementstil Tür und Tor geöffnet hat, der das Unternehmensvermögen als freie Dispositionsmasse der Vorstände betrachtet.

Welche Position halten Sie für richtig? Stimmen Sie ab! Jede Woche wird manager-magazin.de die Ergebnisse auswerten, um aufzuzeigen, wie der Prozess die öffentliche Meinung zum Fall Mannesmann beeinflusst. Lesen Sie zunächst hier, mit welchen Argumenten die drei Parteien gegeneinander antreten.

Das Management

Dieser Prozess zeugt von Bürokratenwillkür und vor allem von der Unkenntnis der Behörden. Die Staatsanwaltschaft scheint nicht einmal zu ahnen, wie die globalisierte Wirtschaft tickt. Dass bei einer Übernahme wie der von Mannesmann zweistellige Millionensummen an die Vorstandsmitglieder fließen, ist eine übliche Form der Vergütung - abgesehen davon, dass es sich damals noch um D-Mark-Beträge handelte. Schließlich hat Klaus Esser den Aktionären einen zwölfstelligen Vermögenszuwachs beschert.

Deutschland kann sich glücklich schätzen, dass es hier überhaupt Manager gibt, die solche Summen rechtfertigen. Doch weit gefehlt: Mit ihrer kleinkarierten Vorstellung vom Wirtschaftsleben und der Unkenntnis der Abläufe in globalisierten Wirtschaftsunternehmen schadet die deutsche Justiz der hiesigen Wirtschaft. Nicht nur, dass mit Josef Ackermann einer der wichtigsten deutschen Vorstände von seinen Aufgaben abgehalten wird. Der Prozess sendet auch ein fatales Signal an ausländische Investoren: "Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen deswegen vor Gericht stehen", wie Ackermann selbst zum Prozessauftakt sagte.

Die Justiz

Dieser Prozess ist nicht nur juristisch geboten, er ist eine Frage der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hygiene. Einer Wirtschaft, die ihren Protagonisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit astronomische Summen zuschanzt, muss Einhalt geboten werden.

Der Mannesmann-Kauf wurde unnötig teuer gemacht, und zwar vor allem auf Kosten der Aktionäre und Beschäftigten. Das alles nur, um einzelne Vorstände für ihre Willfährigkeit zu entlohnen. Dabei sprach schon die Höhe der gezahlten Prämien jeder Leistung dieser Manager Hohn. Im Sinne des Gesetzes, der Geschädigten, der Anlegerinteressen, der Verhältnismäßigkeit und der deutschen Unternehmenskultur muss hier eingegriffen werden. Schließlich ist Rechtssicherheit langfristig für die Attraktivität des Standortes Deutschland unabdingbar. Die wurde schon genug geschädigt, als mit Mannesmann ein Traditionsunternehmen aus der Dax-Liste verschwand und rund 15.000 Mitarbeiter entlassen wurden.

Die Anleger

"Der gefährlichste Wirtschaftsstraftäter ist der Manager aus dem eigenen Unternehmen", sagte einmal Steffen Salvenmoser, Experte für Wirtschaftskriminalität bei PriceWaterhouseCoopers. Eine Weisheit, die einem nirgendwo so flink über die Lippen geht wie im Fall Mannesmann. Würde die Staatsanwaltschaft hier nicht für Recht und Gesetz kämpfen, wäre Deutschland auf dem Niveau einer Bananenrepublik angekommen.

Über Wochen zog sich das Pokerspiel um Mannesmann hin, für viel Geld wurden ganzseitige Anzeigen in den Zeitungen geschaltet, um die Aktionäre von einem Aktienverkauf abzuhalten. Später dann stellt sich heraus, dass Esser nicht gereizt hat, um Mannesmann zu schützen, sondern um den Preis seiner Zustimmung in die Höhe zu treiben.

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