Deutsche Bank Eine gefährlich gute Analyse

Hat die Bank die Finanzlage von Parmalat als "sicher" eingestuft, nur wenige Tage bevor der Schiffbruch passierte? Die "Financial Times" führt zum Beleg ein Schreiben an. Absender: Deutsche Bank und Parmalat. Empfänger: Die Ratingagentur Standard & Poor's.

London - Die Deutsche Bank  hat einem Pressebericht zufolge mit dem insolventen Lebensmittelkonzern Parmalat intensivere Geschäftsbeziehungen unterhalten als bisher bekannt.

Ein Team von Rating-Experten der Bank habe den Konzern Ende vergangenen Jahres mit umfangreichen Argumentationshilfen gegenüber der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) unterstützt, berichtet die "Financial Times".

Von der Deutschen Bank war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Gegenüber manager-magazin.de erläuterte eine Sprecherin lediglich, dass eine sogenannte Advisory Group der Deutschen Bank, deren Zentrale in London sitzt, Parmalat auf den Dialog mit der Ratingagentur vorbereitet habe. Die Dienstleistung habe sich hierbei darauf beschränkt, die Unternehmenszahlen gemäß der Ansprüche einer Ratingagentur aufzubereiten und zu präsentieren.

Advisory Group der Deutschen Bank prüfte Zahlen nicht

Die Unternehmens-Zahlen zu prüfen sei dagegen nicht Bestandteil des Auftrags gewesen, den die Advisory Group von Parmalat erhalten habe. Die Prüfung von Unternehmenszahlen zähle in der Regel auch nicht zum Aufgabenbereich der Advisory Group.

In jedem Fall lehnte die Advisory Group den Auftrag aber nicht ab: Am 27. November und am 4. Dezember seien bei S&P zwei Dokumente mit den Logos von Parmalat und der Deutschen Bank eingegangen, so die "FT". Auf insgesamt 30 Seiten seien Fragen der Ratingagentur zu Parmalats Finanzlage beantwortet worden.

Schon ist die Haftungsfrage für die Bank auf dem Tisch

Die äußerst detaillierten Ausführungen hätten bekräftigt, dass Parmalat über Barmittel von mindestens 1,07 Milliarden Euro und über Anleihen von 1,52 Milliarden Euro verfüge. Die Dokumente seien S&P von Parmalat zugegangen. Am 8. Dezember sah sich Parmalat nicht in der Lage, eine fällige Anleihe über 150 Millionen Euro pünktlich zurückzuzahlen.

Ob die Deutsche Bank für mögliche Fehler in der Information haftbar gemacht werden könne, sei bisher unklar, hieß es in dem Bericht weiter. Die Dokumente enthielten keinen Ausschlussvermerk, die den Berater von der Verantwortung für die Richtigkeit der Informationen freistellen. Dem Vernehmen nach sei das Deutsche-Bank-Logo ohne Erlaubnis der Bank verwendet worden, berichtete die Zeitung.

Die Ratingagentur S&P hatte die Kreditwürdigkeit Parmalats am 11. November mit einem "negativen" Ausblick versehen und damit eine mögliche Abstufung der Parmalat-Anleihen auf "hochspekulativ" in Aussicht gestellt.

Früher am selben Tag hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche mitgeteilt, dass sie nicht in der Lage sei, den Wert einer Parmalat-Investition von 478 Millionen Euro in den Investmentfonds Epicurum zu beurteilen. Eine Woche später hatte S&P Parmalat eine erste Liste mit detaillierten Fragen übersandt. Tags darauf brachte S&P eine zweite Liste mit Zusatzfragen auf den Weg.

Tetra Pak soll Tanzis geheime Konten gefüttert haben

Tetra Pak soll Tanzis geheime Konten gefüttert haben

Fast täglich kommen weitere neue Meldungen über dubiose Finanzpraktiken von Parmalat ans Tageslicht. Der inhaftierte ehemalige Finanzchef der Gruppe, Fausto Tonna, berichtete in einem 13 Stunden langem Verhör in allen Einzelheiten, wie und wohin Schwarzgelder geflossen sein sollen.

Dabei belastete er den schwedischen Verpackungskonzern Tetra Pak, der als Rabatte getarnte Schmiergelder auf Privatkonten von Ex-Parmalat-Chef Calisto Tanzi überwiesen haben soll. "Tetra Pak hat jährlich 32 Millionen Euro bezahlt, wovon 10 Millionen auf ein Konto auf Malta gingen", zitierte die Turiner Zeitung "La Stampa" den Manager. Tetra Pak wies die Aussagen zurück.

Der seit Ende Dezember inhaftierte Tanzi, hatte bei seinen Verhören den Chef der römischen Großbank Capitalia, Cesare Geronzi, schwer belastet. Geronzi soll erheblichen Druck auf Parmalat ausgeübt haben, um den Konzern zur Übernahme des Milchproduzenten Eurolat zu einem deutlich überhöhten Preis zu bewegen.

Acht Parmalat-Manager sitzen in U-Haft

Unterdessen wurde Tanzi, der in der Vergangenheit unter Herzproblemen litt, ins Krankenhaus des Mailänder Gefängnisses San Vittore verlegt. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Vorsichtsmaßnahme. Die Staatsanwälte lehnten einen erneuten Antrag von Tanzis Anwälten auf Hausarrest ab.

Tanzi und acht seiner engsten Mitarbeiter, die alle in U-Haft sitzen, werden betrügerischer Bankrott, Bilanzfälschung und Veruntreuung von Firmengeldern vorgeworfen. Tanzi hatte gestanden, 500 Millionen Euro von Parmalat abgezweigt und in andere Unternehmensteile umgeleitet zu haben. Insgesamt klafft ein Bilanzloch von zwischen 10 und 13 Milliarden Euro.