Aldi Theo Albrechts kalifornischer Traum

Aldi ist hier zu Lande trotz Kultstatus weder als Traumarbeitgeber noch als Einkaufsparadies bekannt. In Übersee betreibt Aldi-Nord-Chef Theo Albrecht hingegen die skurrile Supermarktkette Trader Joe’s - ein Erfolg mit Südsee-Flair.
Von Arne Stuhr

Los Angeles - Als Bundeskanzler Gerhard Schröder US-Präsident George W. Bush beim Waffengang am Golf den Gehorsam verweigerte, drohten die USA der deutschen Wirtschaft mit Boykott. Ganz so schlimm kam es dann ja doch nicht, und auch das Nachtreten Bushs in Sachen Wiederaufbau des Irak ist wohl eher Wahlkampfgeschrei denn ernst gemeinte Politik.

Das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes" übertitelte in der Januar-Ausgabe jetzt sogar eine Meldung mit den ironischen Worten "Buy German". Hintergrund der Geschichte: Die seit 1977 dem Aldi-Nord-Chef Theo Albrecht gehörende US-Supermarktkette Trader Joe's (200 Filialen, 2,1 Milliarden Dollar Umsatz) ist der große Gewinner im seit Wochen andauernden Streik der kalifornischen Supermarktangestellten.

21 Dollar die Stunde als Anti-Streik-Argument

Laut "Forbes" verbuchten die 74 kalifornischen Filialen von Trader Joe's (TJ) nämlich seit Beginn des Arbeitskampfes ein Umsatzplus von rund 30 Prozent. Denn während ihre 75.000 Kollegen bei Albertson's, Safeway & Co. um die Arbeitgeberzulagen zur Kranken- und Rentenversicherung kämpfen, verkaufen die stets in Hawaii-Hemden gewandeten TJ-Angestellten fleißig weiter, da sie sich um ihre Sozialleistungen keine Sorgen machen müssen und mit 21 Dollar die Stunde deutlich besser bezahlt werden als ihre Kollegen, die über 18 Dollar nicht hinauskommen.

Doch die bessere Bezahlung ist nicht die einzige Besonderheit bei Trader Joe's. So sind TJ-Kunden in der Regel nicht durchschnittliche US-Bürger auf der Suche nach Pizza und Cola, sondern eine Mischung aus "Yogavernarrten, Bush-Gegnern und Ballerinas" ("Spiegel Online"), so genannte "Bourgeois Bohemians" (Bobos), die der gebildeten Mittelklasse entstammen und sich mit einem schlechten Gewissen in Sozial- und Umweltfragen plagen. "Ich mag das Umweltbewusstsein und die Zitronenmarmelade" so ein TJ-Kunde gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Von schmackhaften und gleichzeitig moralisch einwandfreien Produkten hat Trader Joe's rund 2500 in den Regalen und unterbietet damit die Konkurrenz deutlich, die in jedem Shop bis zu 40.000 verschiedene Erzeugnisse an den Mann zu bringen versucht. Die Schwesterfirmen haben hingegen ein noch engeres Sortiment: Aldi-USA bietet 700 Produkte feil, Aldi Deutschland 500 bis 600.

Werbung als Mad-Magazin

Mehr als 80 Prozent der von TJ angebotenen Waren sind dabei Eigenmarken wie zum Beispiel Trader Giotto's (Nudeln) oder Trader Jose's (Nachos). "Die Richtigmacher" ("Brand Eins") von Trader Joe's sind dabei nicht nur auf der Qualitätsseite ganz vorne, sondern überzeugen auch beim Preis.

So avancierte der für 1,99 Dollar angebotene Wein "Charles Shaw" zum absoluten Kundenliebling. Selbst die Reichen und Schönen Hollywoods servieren ihren Gästen mittlerweile gerne mal eine Flasche "Two Buck Chuck".

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Werbung von Trader Joe's
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Auf Werbung verzichtet der skurrile Aldi-Ableger, der 1967 von Joe Coulombe gegründet wurde, fast ganz. Nur einige Male im Jahr verschickt Trader Joe's seine Broschüre "Fearless Flyer", nach eigenen Angaben eine Mischung aus Verbraucherzeitschrift und Mad-Magazin, die unter www.traderjoes.com  auch online zu lesen ist.