Adecco Verdacht der Bilanzfälschung

Der Personaldienstleister Adecco muss die Präsentation seiner Geschäftszahlen für das Jahr 2003 verschieben. Als Grund nannte der weltgrößte Stellenvermittler unter anderem "materielle Schwachstellen" des internen Controllings bei einer US-Tochter. Der Kurs brach zeitweise um fast 50 Prozent ein.

Cheserex - Es sei nicht möglich, die Prüfung des Geschäftsberichtes für das vergangene Jahr fristgerecht abzuschließen, teilte Adecco  am Montag mit. Grund für die Verzögerung sei "die Identifikation von materiellen Schwachstellen bei den internen Kontrollen" im Nordamerika-Geschäft der Division Adecco Staffing.

Wann die Publikation der Jahresergebnisse erfolge, stehe derzeit noch nicht fest, sagte Adecco-Sprecher Francois Vassard. Ursprünglich war die Bilanzvorlage für den 4. Februar vorgesehen.

Ferner will das Unternehmen bis zur Vorlage der Zahlen die Einhaltung von Bilanzierungs- und Kontrollvorschriften in einigen Ländergesellschaften überprüfen. Der Einfluss dieser möglichen Verfehlungen auf das Jahresergebnis 2003 müsse geprüft werden, hieß es. Zu diesem Zweck hat Adecco unabhängige Berater mit der Einleitung einer Untersuchung beauftragt.

"Große, unabschätzbare Unsicherheiten"

Die Aktien des weltgrößten Personalvermittlers (Umsatz 2002: 25 Milliarden Schweizer Franken) brachen am Montag in Folge der Mitteilung zeitweise um 48 Prozent ein. Der Marktwert reduzierte sich dabei um rund sieben Milliarden Franken (rund 4,5 Milliarden Euro).

Mehrere Banken stuften das Papier am Montag herab oder rieten den Anlegern zum Verkauf. Angesichts der dürftigen Informationen sei eine Einschätzung derzeit extrem schwierig, sagte Nicole Burth, Analystin bei Lombard Odier. Bei den Problemen könne es sich sowohl um einen größeren Betrugsfall à la Parmalat oder um simple Schwierigkeiten bei der Umsatzerfassung handeln. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schloss in ihrem Marktbericht Bilanzfälschungen ebenfalls nicht aus. "Auf Grund des aktuellen Kommunikationsstands bestehen große, unabschätzbare Unsicherheiten", sagte ZKB-Analyst Rolf Kunz.

Substanzielle Wertberichtigungen möglich

Als Besorgnis erregend taxierten Analysten die Bilanz. Bei einer Eigenkapitalquote von rund 23 Prozent schlummern 2,125 Milliarden Franken Goodwill in den Büchern von Adecco.

Der Großteil davon stammt aus der milliardenschweren Übernahme der US-Gesellschaft Olston im Jahr 2000. "Wenn die Olston-Übernahme im Zentrum der Probleme steht, könnte dies zu substanziellen Wertberichtigungen führen", sagte Burth.

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres steigerte Adecco den Gewinn um 18 Prozent auf 254 Millionen Euro. Konzernchef Jerome Caille hatte sich im Spätherbst sehr zufrieden über den Geschäftsverlauf geäußert. Der Umsatz schrumpfte wegen der Dollar-Schwäche allerdings um 6 Prozent auf 12,115 Milliarden Euro.

Kaffee-Erbe als Großaktionär

Adecco (28.000 Mitarbeiter in rund 5800 Niederlassungen in 68 Ländern) war 1996 von Klaus Jacobs aus den bis dato unrentablen Unternehmen Adia und Ecco geschmiedet worden. Jacobs, der seinen Kaffee- und Schokoladenkonzern (Milka, Toblerone) einige Jahre zuvor für 3,1 Milliarden Schweizer Franken an den amerikanischen Konsumriesen Philip Morris - jetzt Altria  - verkaufen musste, um mit 700 Millionen Schweizer Franken seine Geschwister auszubezahlen, sitzt weiterhin im Adecco-Verwaltungsrat und hält über die KJ Jacobs AG knapp 11,75 Prozent der Adecco-Anteile.

Eine Sprecherin von Adecco Deutschland - nach eigenen Angaben mit 5 Prozent Marktanteil die hiesige Nummer zwei der Branche - wollte die Meldungen aus der Schweizer Zentrale gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. Auch der zuständige Wirtschaftsprüfer Ernst & Young gab keinen Kommentar ab.

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