Mittwoch, 22. Januar 2020

China-Geschäft "Starr und zu perfektionistisch"

Deutsche Unternehmen sind gerade dabei, ihre Chancen auf dem am schnellsten wachsenden Markt der Welt zu verspielen. Bei ihren Engagements in China unterläuft ihnen ein Fehler nach dem anderen, befindet A.T.-Kearney-Experte Fanchen Meng.

Wirtschaftsdelegation auf Chinareise: Gerhard Schröder mit Michael Frenzel

Hamburg - Sehen deutsche Manager den Boom in China zu optimistisch? Fanchen Meng, Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney, und der für das China-Geschäft verantwortliche Obi-Vorstand Fengjiang Li diskutieren diese Streitfrage im aktuellen Harvard Businessmanager.

Meng identifizierte bei seiner Arbeit mit deutschen, amerikanischen und chinesischen Managern drei Kardinalfehler, die den Deutschen bei Projekten im Reich der Mitte regelmäßig unterlaufen: Die deutschen Manager seien bei der Entwicklung des Personals vor Ort nicht systematisch genug, hielten zu starr an ihren Vertriebskonzepten fest und seien zu perfektionistisch.

"Führungskräfte aus den USA sind den Deutschen weit voraus", schreibt Meng. Ihre Fehler könnten deutsche Unternehmen "langfristig Umsatz, Reputation und die Existenz auf dem chinesischen Markt kosten". Würden die Geschäftsleute die genannten Fehler nicht machen, "könnten sie 50 bis 100 Prozent höhere Umsätze erwirtschaften".

Fengjang Li: Will die Zahl der chinesischen Obi-Märkte 2004 verdreifachen
Obi-Vorstand Li ist der Meinung, dass deutsche Unternehmen auf jeden Fall in China investieren müssen. Obi macht dort gute Geschäfte: "Wir hatten Ende 2003 sechs Baumärkte in China und werden in 2004 weitere zwölf eröffnen. Die Endkunden in unseren chinesischen Baumärkten bringen uns einen dreifach höheren Pro-Kopf-Umsatz als die Kunden in Deutschland."

Außerdem profitiere das Unternehmen von den Kostenvorteilen im Einkauf. "Wir können deshalb weltweit in unseren Märkten billiger anbieten. Würden wir das nicht tun, wäre uns die Konkurrenz sehr schnell voraus - und wir bekämen ernste Probleme. Wenn ein deutscher Unternehmer jetzt sagt, er will in China nicht investieren, ist das unverantwortlich." Die Streitfrage ist Teil des Schwerpunkts China, der aktuellen Titelgeschichte des Harvard Businessmanagers.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung