Trichet Briefbombe an EZB-Chef

Laut Frankfurter Staatsanwaltschaft enthielt die am Montag entdeckte Sendung an EZB-Chef Trichet einen Sprengsatz. Auch die Polizeibehörde Europol und EU-Kommisionschef Prodi hatten Bomben in der Post.

Frankfurt am Main - Untersuchungen ergaben, dass der am Montag bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt eingegangene Brief an deren Chef Jean-Claude Trichet Sprengstoff enthielt. Generalbundesanwalt Kay Nehm habe die Ermittlungen in dem Fall an sich gezogen, teilte Manfred Vonhausen, Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes, mit. Der Brief an Trichet war nach früheren Polizeiangaben in Bologna aufgegeben worden. Er war von der Postkontrolle abgefangen worden und nicht in die Hände des EZB-Chefs gelangt.

Unklar blieb zunächst, ob die drei brisanten Päckchen von einem oder mehreren Absendern stammen. Die italienische Polizei vermutet zumindest hinter dem Brief an Prodi eine Extremistengruppe. Beim Öffnen gab es eine Stichflamme, Prodi blieb aber unverletzt. Bereits am 21. Dezember waren zwei kleine in Müllbehältern versteckte Sprengsätze unweit von Prodis Haus in Bologna explodiert. Dazu hatte sich eine bislang unbekannte Gruppe mit dem Namen Informeller Anarchistischer Bund (FAI) bekannt. Die deutschen Sicherheitsbehörden arbeiten nach Angaben der Frankfurter Polizei eng mit ihren italienischen Kollegen zusammen.

Die Briefbombe an Europol war am Montag am Sitz der Behörde in Den Haag eingegangen. Eine Sprecherin der niederländischen Staatsanwaltschaft sagte, Experten der Armee hätten den offenbar explosiven Inhalt des Päckchens entschärft. Es bestehe "wahrscheinlich" ein Zusammenhang zu dem Anschlagsversuch auf Prodi.

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