Maut-Debakel Vollversion erst 2005

Das Jahresende bringt eine neue Geschichte aus dem Tollhaus. Das Konsortium Toll Collect hält einen Start im Herbst 2004 für möglich - allerdings nur mit einer abgespeckten Version. Verkehrsminister Stolpe muss auf die Vollversion bis zum Jahr 2005 warten.

Berlin - Die Telekom habe Verkehrsminister Stolpe nun gleich drei Varianten der Maut angeboten, aus denen er auswählen könne. Der Starttermin für die beste sei erst im Jahr 2005 möglich.

Eine technisch abgespeckte Variante könnte dagegen im dritten Quartal 2004 in Betrieb gehen, meldet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf einen Brief an Stolpe, den Telekom-Vorstand Josef Brauner im Namen des gesamten Maut-Konsortiums Toll Collect geschrieben habe.

Die normale Version könnte im vierten Quartal starten. Eine noch aufwändigere Variante bräuchte Zeit bis zum ersten Quartal 2005. Bislang hatte Toll Collect immer einen Maut-Start im dritten Quartal 2004 in Aussicht gestellt - dabei aber nicht explizit darauf hingewiesen, dass dies nur mit einer technisch einfacheren Lösung als ursprünglich geplant möglich wäre.

"Wir stehen hinter dem Brief"

Toll-Collect-Sprecher Rainer Knubben bestritt laut "FTD", dass es einen Streit zwischen den Toll-Collect-Gesellschaftern Deutsche Telekom  und DaimlerChrysler  gebe. Die Telekom habe den Brief allein aus Zeitgründen nicht mehr mit den anderen Unternehmen abstimmen können, weil das Schreiben am 23. Dezember verschickt wurde. Knubben sagte: "Wir stehen hinter dem Brief."

Manfred Stolpe hatte am Montag die Fristverlängerung für Toll Collect verteidigt. Das Konsortium habe zugesagt, spätestens am 31. Januar 2004 einen verbindlichen Start-Termin für die Lkw-Maut zu nennen, sagte er im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Politiker von CDU und FDP hatten die Fristverlängerung für Toll Collect am Wochenende heftig kritisiert. Stolpe ignoriere damit einen einstimmigen Beschluss des Haushaltsausschusses. Dieser lautete, den Vertrag zum 31. Dezember zu kündigen, wenn es bis dahin keinen verbindlichen Zeitrahmen gibt.

Im Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg ist unterdessen die Testphase für die elektronische Maut-Erfassung von Lastwagen erfolgreich verlaufen. Bei dem Test im September und Oktober wurden täglich bis zu 78.000 Auskünfte online an den Betreiber Toll Collect erteilt, wie die Behörde in ihrem Jahresbericht mitteilte.

Vom Betreiberkonsortium seien vorher nur rund 5000 Anfragen täglich angekündigt worden. Doch die KBA-Rechner haben die zusätzlichen Belastungen problemlos bewältigt, hieß es. Die Flensburger Behörde könne dem künftigen Betrieb des Gebührenverfahrens entspannt entgegen sehen.

Das KBA wird die Auskünfte zur Gesamttonnage, über Emissionswerte und die Lastwagen-Achszahl an Toll Collect geben. Sie werden dort für Kontrolle und Abrechnung benötigt. Die Abfragen laufen über das Zentrale Verkehrs-Informationssystem ("Zevis") der Flensburger Bundesbehörde. Damit kann auch stichprobenartig geprüft werden, ob die Lastwagen-Gebühr bezahlt wird.

Das in der Testphase "wider Erwarten hohe Anfragevolumen" sei durch so genannte Maut-Preller zustande gekommen, erklärte das KBA. Da die meisten der überprüften Laster zu diesem Zeitpunkt noch nicht über eigene Bordcomputer verfügten, über die künftig die Abrechnung direkt laufen soll, seien sie zur Identifizierung bei "Zevis" gelandet.

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