IG Farben-Nachspiel 1,8 Milliarden Euro von UBS gefordert

Der US-Anwalt Edward Fagan hat eine Milliardenklage gegen die Schweizer Großbank UBS eingereicht. Im Zentrum der Klage steht die Schweizer Interhandel, eine frühere Tochter des einstigen Chemie-Ungeheuers IG Farben.

Zürich - Der US-Anwalt Edward Fagan hat eine Milliardenklage gegen die Schweizer Großbank UBS  eingereicht. Im Zentrum stehe die Schweizer Interhandel, die frühere Tochter des einstigen deutschen Chemie-Giganten IG Farben, teilte die Bank am Montag mit. Fagan handelt im Auftrag eines Vereins von Aktionären der sich seit über 50 Jahren in Abwicklung befindlichen IG Farben. Der genaue Streitwert beläuft sich auf 1,8 Milliarden Euro.

Fagan will, wie er am gleichen Tag in Zürich deutlich machte, neue Dokumente für die These vorlegen, dass die Übernahme der Interhandel durch die UBS im Jahr 1967 als rechtlich fraglich zu betrachten sei, da Interhandel auch damals noch der IG Farben zuzuordnen gewesen sei. Über diese Frage wurde schon eine Reihe von Prozessen geführt, bei denen die IG-Farben-Seite bisher aber keinen Erfolg verbuchen konnte. UBS erklärte dazu am Montag: "Für UBS gibt es keine Grundlagen für irgendwelche Forderungen in diesem Zusammenhang." Die UBS werde sich mit allen Mitteln gegen eine Klage wehren.

Fagan werfe der UBS und der Schweizer Regierung vor, sie hätten wichtige Dokumente seit über 50 Jahren unter Verschluss gehalten. Diese Dokumente wolle Fagan am heutigen Montag in der UBS-Konzernzentrale in Zürich persönlich vorstellen. Fagan will, wie er weiter erklärte, die UBS in den USA verklagen, falls der Schweizer Konzern nicht bis zum 9. Januar auf die Forderung reagiert.

Die turbulente Geschichte der Interhandel

Die Interhandel, die 1967 formal im Wege einer Fusion in der UBS aufging, hatte eine turbulente Geschichte hinter sich. Die IG Farben, die später eng mit dem nationalsozialistischen System verbunden war, hatte die Interhandel 1928 in Basel als börsennotierte Aktiengesellschaft unter dem Namen IG Chemie gegründet und dort wichtige Auslandsvermögen in den USA untergebracht.

1940 gab die IG Farben offiziell die Kontrolle über Interhandel auf, die dadurch zu einer eigenständigen Firma mit überwiegend Schweizer Aktionären wurde. Das Vermögen der Basler Firma wurde dennoch von der amerikanischen Regierung beschlagnahmt. 1965 einigten sich Interhandel und die amerikanische Regierung jedoch auf eine Entschädigung und Interhandel erhielt gut 500 Millionen Franken ausbezahlt. Zwei Jahre später beschlossen die Aktionäre der Interhandel die Fusion mit UBS, die bereits zuvor ein wichtiger Interhandels-Aktionär gewesen war.

Bei den Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung hatte die UBS, so der Autor Dirk Schütz in einem Buch über die Schweizer Grossbank, eine wichtige Rolle gespielt. Diese 500 Millionen Franken - Fagan sprach von 122 Millionen Dollar - fordert die IG Farben nun mit Zins und Zinseszins von der UBS zurück. Fagan erklärte nun in Zürich, er verfüge über neue Dokumenten zum Teil aus Archiven der ehemaligen DDR und aus Moskau, die neues Licht auf die Beziehungen zwischen IG Farben und Interhandel werfen würden. Diese Beziehung sei niemals restlos geklärt worden.

Die Aktie der IG Farben in Liquidation wird weiterhin an der Börse gehandelt, gilt aber als extrem spekulativ. Am Montag stieg der Titel bis zum Nachmittag bei allerdings nur 14 Transaktionen um knapp fünf Prozent auf 1,31 Euro.

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