Banken Die Sparkassen-Front bröckelt

Der Bundesverband deutscher Banken will mit der Übernahme der Sparkasse Stralsund durch einen privaten Investor einen Präzedenzfall schaffen. Unterstützung dafür kommt auch aus dem öffentlich-rechtlichen Lager. Die WGZ-Bank erwägt unterdessen, sich von einer Genossenschaft zur AG zu wandeln.

Frankfurt/Hamburg - Die geplante Privatisierung der Sparkasse Stralsund sorgt weiterhin für Unruhe in der deutschen Bankenbranche. Die Privatbanken wollen das Sparkassen-Lager aufbrechen und die künftige Struktur des Kreditgewerbes dem Markt überlassen. "Es kommt darauf an, gegen den Widerstand der Politik durchzusetzen, dass private Banken auch Sparkassen kaufen können", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, am Montagabend in Frankfurt.

Der Konflikt um die Privatisierung der Sparkasse Stralsund sei dabei ein Präzedenzfall, sagte Weber. An diesem Beispiel könne sich zeigen, wie eine Sparkasse auch außerhalb der eigenen Finanzgruppe verkauft werden könne. Es bestehe keine Gefahr, dass es wie in Großbritannien zu weißen Flecken komme, in denen kleine Firmen oder Privatkunden keinen Zugang zu Krediten oder Girokonten hätten. Weber betonte, zur Stärkung des deutschen Kreditgewerbes müssten die bestehenden Strukturen mit den drei abgegrenzten Bereichen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken aufgebrochen werden.

"Die Sparkassen werden sich ändern müssen"

Der Chef der Hamburger Sparkasse (Haspa), Karl-Joachim Dreyer, kritisierte in der Wochenzeitung "Die Zeit", der Sparkassenverband DSGV habe sich möglicherweise "zu lange für den Erhalt der öffentlich-rechtlichen Rechtsform eingesetzt". Der Vorstandschef der größten deutschen Sparkasse betonte: "Man muss aber keine öffentlich-rechtliche Sparkasse sein, um den Mittelstand in strukturschwachen Gebieten zu finanzieren. Das ist für mich nicht zwingend, das kann man auch in Form der Aktiengesellschaft machen." Die Sparkassen "werden sich ändern müssen, um dauerhaft zu überleben", sagte Dreyer. Er plädiere für eine Privatisierung wie in Österreich, wo Stiftungen und Vereine anstelle der Kommunen Träger der Sparkassen sind.

Der saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) bekräftigte, er wolle an Plänen zur Teilprivatisierung von Sparkassen in der Rechtsform der Aktiengesellschaft festhalten. "Nach den Landtagswahlen im September werde ich die Gesetzesnovellierung zügig umsetzen", sagte Georgi dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Ziel sei ein neuer Rechtsrahmen bis 2005, wenn die staatlichen Garantien für die öffentlich-rechtlichen Institute wegfallen. Georgi plant im Saarland die Umwandlung öffentlich-rechtlicher Sparkassen in Aktiengesellschaften, an der sich dann auch private Banken mit bis zu 49 Prozent beteiligen könnten. Zudem will er die Weichen für Fusionen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken stellen.

Das Stadtparlament von Stralsund hatte am vergangenen Donnerstag mit der Mehrheit von CDU und SPD die Stadtverwaltung beauftragt, einen Verkauf der Stadtsparkasse an einen privaten Investor oder eine Fusion mit Wertausgleich zu prüfen. Damit rückte der bundesweit erste Verkauf einer Sparkasse näher.

WGZ erwägt wechsel der Rechtsform

WGZ erwägt wechsel der Rechtsform

Die genossenschaftliche WGZ-Bank prüft unterdessen auf Anstoß ihrer Mitgliedsbanken den Wechsel ihrer Rechtsform in eine Aktiengesellschaft. "Wir wollen uns damit auseinander setzen, was die Vorteile der eG (eingetragenen Genossenschaft) und was die Vorteile der AG sind", sagte Vorstandschef Werner Böhnke der "Financial Times Deutschland".

Die Diskussion darüber solle in einer Beiratssitzung im Januar stattfinden. "Darüber hinaus werden wir dann die Diskussion mit unseren Anteilseignern zu Beginn des kommenden Jahres ganz offen führen. Bis spätestens Mitte des Jahres muss eine Entscheidung getroffen sein, ob wir unsere Gesellschaftsform auch tatsächlich ändern", sagte Böhnke in der Dienstagausgabe der Zeitung.

Die WGZ-Bank ist das Zentralinstitut für rund 270 genossenschaftliche Banken in Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz. Diese könnten nach Zeitungsangaben durch die WGZ-Wandlung in eine Aktiengesellschaft den Buchwert ihres Anteils an der WGZ-Bank und damit ihr Vermögen erhöhen.

Zugleich dürfte dieser Wechsel der Rechtsform erneut Spekulationen über eine Fusion der WGZ mit der Frankfurter DZ Bank neue Nahrung geben, die bereits als Aktiengesellschaft firmiert. "Ich kann nicht ausschließen, dass Betrachter eine Umwandlung in eine AG als einen Schritt sehen würden, der eine Fusion mit der DZ Bank einfacher macht. Das wäre aber nicht Hintergrund eines Rechtsformwechsels", sagte WGZ-Chef Böhnke.

BVR reagiert gelassen

Die Kosten-Ertrags-Quote seines Institut will der Vorstandschef von derzeit 60 Prozent bis 2006 auf 50 Prozent verbessern. Böhnke will von den noch rund 1100 Stellen in den kommenden Monaten 100 streichen. Weiter solle die Zahl der Jobs aber nicht reduziert werden. Das Ergebnis im laufenden Jahr werde mit 100 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres liegen, sagte Böhnke.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) reagierte auf das Böhnke-Interview gelassen. "Dass die WGZ darüber nachdenkt, ist vollkommen in Ordnung. Als AG bliebe sie ja - ebenso wie die DZ Bank - weiter ein Spitzeninstitut für ihre Volksbanken", sagte BVR-Chef Christopher Pleister.

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