Reaktionen "Ich weine ihm keine Träne nach"

Politiker in aller Welt haben die Festnahme von Saddam Hussein begrüßt. Sie hoffen nun auf eine schnellere Demokratisierung des Irak und ein Ende des Terros. Die Reaktionen in der arabischen Welt indes sind gespalten.

Berlin/Rom/Berlin/Bagdad - Weltweit haben Politiker die Festnahme des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein begrüßt. Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte in einem Schreiben an US-Präsident George W. Bush am Sonntag: "Ich beglückwünsche Sie zu dieser erfolgreichen Aktion", hieß es in dem Schreiben vom Sonntag. Saddam habe unsägliches Leid über sein eigenes Volk und die ganze Region gebracht. "Ich hoffe, dass seine Festnahme die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung des Irak fördern wird."

Außenminister Joschka Fischer sagte am Sonntag vor Journalisten in Berlin, der "brutale Diktator" werde nun seiner gerechten Strafe zugeführt. Zugleich bestehe die Chance, "dass die Gewalt im Irak abnimmt und der Terror zum Stillstand kommt". Außerdem könne die Übertragung der Souveränität von den USA auf die Iraker nun möglicherweise schneller vollzogen werden.

Blair: "Jetzt ganz Irak vereinigen"

Der britische Premierminister Tony Blair, der am Sonntag als einer der ersten von der Verhaftung erfuhr, sagte, für das irakische Volk sei der Albtraum einer möglichen Rückkehr des Regimes nun vorüber. "Das ist eine sehr gute Neuigkeit für das irakische Volk", sagte Blair. Saddam Husseins Verhaftung könne den Beginn besserer Zeiten in Irak markieren. Sie gebe den Koalitionstruppen die Möglichkeit, "einen Schritt voranzugehen". "Wir sollten jetzt versuchen, ganz Irak zu vereinigen, indem wir das Land wieder aufbauen und ihm einen neue Zukunft anbieten", sagte Blair.

Chirac hofft auf schnellere Demokratisierung im Irak

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac ließ mitteilen. "Die Verhaftung ist ein größeres Ereignis, das erheblich zur Demokratisierung und Stabilisierung des Iraks beitragen dürfte", sagte Chiracs Sprecherin Catherine Colonna am Sonntag in Paris. Damit werde es den Irakern ermöglicht, ihr Schicksal in einem souveränen Irak wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Frankreich und Deutschland waren führende Gegner des von Washington und London geführten Krieges gegen den Irak.

"Wende im Kampf gegen die Guerilla"

Der italienische Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Franco Frattini bezeichnete die Festnahme Husseins als die "entscheidende Wende im Kampf gegen die Guerilla" bezeichnet. "Die Gefangennahme des Diktators ist offensichtlich der entscheidende Schlag gegen die todbringende irakische Guerilla", sagte Frattini. Den Truppen der internationalen Koalition im Irak sei der Beweis gelungen, dass sie Saddam als Symbol des irakischen Terrors gestürzt hätten, fügte er in einem Interview mit dem italienischen Rundfunk hinzu. Italien unterstützt die USA und Großbritannien im Irak mit rund 3000 Soldaten.

Nahost-Experte: Todesstrafe ist wahrscheinlich

Nahost-Experte: Todesstrafe ist wahrscheinlich

Nach der Festnahme Saddam Husseins rechnet Nahost- Experte Peter Scholl-Latour mit der Todesstrafe für den ehemaligen irakischen Machthaber. Im Irak existiere die Todesstrafe noch ebenso wie in den meisten US-Bundesstaaten, sagte Scholl-Latour der Münchner "tz" (Montagausgabe). "Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Saddam zum Tode verurteilt wird. Er hat so viele Leute umgebracht - ich würde ihm auch keine Träne nachweinen."

Für Saddams Anhänger sei die Festnahme ein schwerer Schlag. Allerdings habe er nicht mehr so viele Unterstützer gehabt. Für die anderen Widerstandskräfte sei die Festnahme dagegen möglicherweise sogar eine Entlastung. "Die können ihren Kampf jetzt ohne das Brandmal Saddam Hussein fortführen." Für die US-Amerikaner bedeute die Festnahme endlich einen greifbaren Erfolg. "Es war ja eine Blamage, dass sie den Kerl acht Monate lang nicht zu fassen bekommen hatten."

Gemischte Reaktionen in der arabischen Welt

In einigen Vierteln Bagdads kamen die Menschen am Sonntag zu Jubelfeiern zusammen, nachdem sich die Nachricht von der Festnahme Saddam Husseins verbreitet hatte. Einige gaben Freudenschüsse ab. Vor dem Gebäude der Kommunistischen Partei, deren Anhänger unter dem Regime des Ex-Präsidenten brutal verfolgt worden waren, schwenkten die Menschen Fahnen und verteilten Bonbons an die Fahrer vorbeifahrender Autos. "Allah sei Dank, vielleicht können wir jetzt bald in Frieden leben", sagte ein Teilnehmer. Andere Bürger aber erklärten, es sei eine Schmach und eine Schande für alle Iraker, dass ihr Präsident den Amerikanern in die Hände gefallen sei.

"Wir sind diesen Kriminellen endlich los"

In der nordirakischen Stadt Kirkuk strömten kurdische Einwohner ebenfalls gleich nach Bekanntwerden der ersten Berichte auf die Straßen. Auch hier knallten Freudenschüsse. "Wir feiern das als wäre es eine Hochzeit", sagte Mustapha Sheriff, ein Bewohner der Stadt. "Wir sind diesen Kriminellen endlich los." Der irakische Regierungsrat hatte unterdessen erklärt, kurdische Kämpfer hätten den Amerikanern geholfen, Saddam Hussein festzunehmen.

In Kuwait, das Saddams Truppen 1990 besetzt hatten, tanzten Tausende singend und jubelnd auf den Straßen und schossen vor Freude in die Luft.

Jordanier gespalten: "Schande für alle Araber"

In Jordanien saßen die Menschen gebannt vor dem Fernseher, um immer wieder die Bilder des gestürzten Präsidenten anzusehen. "Das ist eine Schande für alle Araber", sagte Ahmed, ein junger Mann aus Amman. Obwohl viele politisch verfolgte Jordanier unter dem Regime Saddam Husseins in Jordanien Schutz gesucht hatten, waren viele Jordanier traurig, dass Saddam, der für sie "ein arabischer Nationalheld" war, von den Amerikanern geschnappt wurde. "Selbst wenn er ein Verbrecher war, dann hätten doch die Iraker ihn gefangen nehmen sollen und nicht die Amerikaner", sagte Ahmed.