Siemens Ab in den Osten

Der Elektrokonzern Siemens will im Zuge der EU-Osterweiterung vermehrt Arbeitsplätze in Beitrittsländer auslagern. Ein Drittel aller Entwicklungsarbeiten könnte an Niedriglohnstandorten geleistet werden.

München - Siemens  wird im Zuge der EU-Osterweiterung im großem Stil Software-Entwicklung, Fertigung und Buchhaltungsfunktionen in den Beitrittsländern aufbauen. "Wir müssen uns diesem Trend stellen, wie alle unsere Wettbewerber, und teilweise auch Aktivitäten dorthin verlagern", sagte Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland" (FTD/Freitagausgabe).

Der Strategiechef des Technologiekonzerns hält es für realistisch, dass in einigen Jahren etwa ein Drittel der Entwicklungsarbeiten für Siemens an Niedriglohnstandorten geleistet wird.

Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken Marktwachstum in der Region zu profitieren. Andererseits müsse das Unternehmen auch die Kostenvorteile und das Potenzial hoch qualifizierter Software-Ingenieure nutzen. "Wir treffen da auf ganz fantastische Mitarbeiter mit hervorragender Ausbildung", sagte Feldmayer, der auch für das Osteuropa-Geschäft zuständig ist.

Damit bestätigen sich die im Sommer geäußerten Befürchtungen der IG Metall, Siemens könnte einen großen Teil der Software-Entwicklungen in Länder mit niedrigem Gehaltsniveau auslagern. Siemens folgt mit dieser - Offshoring genannten - Strategie einem Trend, dessen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt noch nicht abzuschätzen sind. Denn auch andere Konzerne wie etwa SAP  haben angekündigt, sowohl große Teile ihrer Entwicklung als auch die Buchhaltung und Kundenbetreuung verstärkt in Ländern wie Russland, Indien oder China anzusiedeln.

Der Manager, der als einer der Kronprinzen des Konzernchefs Heinrich von Pierer gehandelt wird, hält Osteuropa beim Offshoring für besonders geeignet. Gründe dafür seien die logistische Anbindung, die Sprachkenntnisse, die Mentalität und die geringeren Risiken. Von Outsourcing, also der Vergabe von Aufgaben an Fremdfirmen, hält Feldmayer dagegen wenig. "Wir sind sehr interessiert daran, die Kompetenzen im Unternehmen zu halten." In Deutschland lagern derzeit vor allem die Banken, aber auch der Siemens-Ableger Infineon  massiv Aktivitäten an Fremdfirmen aus.

Siemens beschäftigt weltweit etwa 30.000 Software-Entwickler. In Osteuropa arbeiten an 21 Standorten bislang 2.700 Entwickler für den Konzern. "Diese Zahl wird zügig wachsen", sagte Feldmayer.